Weltzeituhr, Falafelbuden & blaue Stunde – wie sich der Uhrenhersteller Lilienthal Berlin von der Hauptstadt inspirieren lässt

© Björn Wisnewski

Ständig werden wir vom Piepen der Handys um uns herum und dem Summen von Smartwatches an unseren Handgelenken belästigt und immer öfter sehnen wir uns nach der guten alten analogen Zeit. Genauso wie hochwertige Magazine ihr Comeback feiern, so tragen viele von uns immer häufiger wieder Armbanduhren, die nichts anderes können, als die Zeit anzeigen. Der Berliner Uhrenhersteller Lilienthal Berlin entwickelt seit Februar 2016 zudem auch noch sehr schöne, zeitlose Exemplare. Wir haben mit dem Gründer Jacques Colman über die Vorteile des Analogen, Nachhaltigkeit und den Inspirations- und Lieblingsstandort Berlin gesprochen:

Mit Vergnügen: Wie kommt man in Zeiten der Smartwatch auf die Idee, eine klassische, analoge Armbanduhr zu entwerfen?
Jacques Colman: Irgendwann, eines Morgens, nachdem wir den letzten Club verlassen haben, sind wir über das Tempelhofer Feld spaziert. Dort wurde uns klar, dass wir die Uhr entwerfen wollen, die das Lebensgefühl dieser Stadt einfängt. Und das kann natürlich keine Smartwatch sein – ein Ding, das einen an Termine erinnert, jederzeit erreichbar sein lässt und dazu noch die Vitalfunktionen überwacht? Das passt nun wirklich nicht zu „unserem“ Berlin. Eine Armbanduhr hingegen ist einfach ein schönes Lifestyle-Objekt – und analog ist immer gut!

Seid ihr als Gründer selbst Uhrmacher oder Quereinsteiger?
Ich komme tatsächlich aus einer „Uhrenfamilie“ und bin gewissermaßen mit der Leidenschaft für Uhren groß geworden. Michael musste ich damit erst anstecken, aber das ging letztlich ziemlich schnell…

© Nora Tabel
© Nora Tabel

Was war eure ursprüngliche Vision für die Uhr?
Die Vorstellung von der Uhr, die Berlin spürbar macht, war schon ziemlich konkret. Die ersten Entwürfe waren bereits nah an der jetzigen Optik dran. Letztlich waren es dann „nur“ unzählige Feinheiten, die wir noch anpassen mussten.

Gab es während des Entwicklungsprozess irgendwann mal einen kritischen Punkt, an dem ihr selbst Zweifel hattet oder es äußere Hürden zu nehmen gab?
Jein. Dass wir die Uhr kreieren würden, war uns immer klar. Bloß das „Wie“ hat uns manchmal Probleme gemacht. Uns ist wichtig, dass unsere Uhren auch wirklich hohen Ansprüchen gerecht werden. Darum setzen wir auf Qualität „Made in Germany“. Das hat uns das Leben allerdings manchmal ziemlich schwergemacht. Einerseits gibt es nur noch sehr wenige Unternehmen, die überhaupt dazu im Stande sind, die Komponenten zu liefern beziehungsweise die Montage zu leisten, die wir brauchen. Und andererseits haben wir sehr oft gehört „Gut Ding will Weile haben“. Wenn die Zeit drängt, ist das nicht das, was man hören will. An der deutschen Penibilität sind wir hin und wieder fast verzweifelt.

Wo und von wem werden eure Uhren gefertigt? War Nachhaltigkeit dabei ein Kriterium?
Wie gesagt: Die Uhren sind Made in Germany. Das heißt, die Uhr wird hierzulande zusammengebaut. Wesentliche Komponenten wie die Zifferblätter, Armbänder und Verpackung entstehen komplett in Deutschland. An ein paar Stellen müssen wir aber trotzdem Kompromisse eingehen: Die Werke beziehen wir vom Schweizer Hersteller Ronda – schlichtweg weil es keinen deutschen Anbieter von Quarzwerken gibt. Es wäre zudem unmöglich, das Gehäuse mit der eingelassenen Krone nach unseren Vorstellungen in Deutschland zu produzieren. Und wenn, dann nur zu horrenden Kosten. Und wir wollen ja kein Luxusprodukt, sondern eine Lifestyle-Uhr, die sich jeder leisten kann.

Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns ebenfalls sehr wichtig. Schon die hiesige Produktion ist ein Beitrag dazu. Außerdem verwenden wir für unsere Armbänder ausschließlich vegetabil gegerbtes Leder – also solches, das nicht mit aggressiven Schadstoffen behandelt wurde. Das ist gut für die Natur und den Träger. Auch der Gerbprozess findet übrigens in Deutschland statt. Zuletzt achten wir sogar bei der Verpackung auf den Umweltschutz und verwenden nur ökologisch korrekt hergestellte Materialien.

© Nora Tabel
© Nora Tabel

Wie lange hält eine Lilienthal-Uhr und was passiert, wenn ich beim Duschen vergesse, sie abzunehmen?
Unsere Uhren sind äußerst stabil gebaut. Nur die Batterie muss alle 25 Monate ausgetauscht werden. Wasserdicht sind sie bis 5 bar – wenn sie also aus Versehen mit zum Duschen genommen werden, ist das kein Problem. Allerdings sind Lederarmbänder generell nicht fürs Duschen ausgelegt. Die Bänder überstehen das Ganze zwar, aber wir raten trotzdem dazu, die Uhr doch lieber abzunehmen…

Was macht für euch den Berliner Stil aus und in welchen Elementen spiegelt der sich an der Uhr wieder?
Den einen Berliner Stil gibt es ja gar nicht. So abgedroschen es klingt: Wir lieben vor allem die unglaubliche Vielseitigkeit der Stadt. Im Design der Uhr haben wir darum viele kleine Details umgesetzt und eher subtile Reminiszenzen eingebaut. Der für uns typische „Bruch“ im Gehäuse beispielsweise symbolisiert die Spaltung und die Einheit der Stadt, aber eben auch die allgegenwärtige Aufbruchsstimmung. Die Typo der Ziffern ist die der Straßenschilder aus dem Ost- und dem Westteil der Stadt und die Form der Krone ist der Weltzeituhr nachempfunden. Kleine Akzente haben wir im Farbton „Serenity Blue“ gestaltet – angelehnt an die Farbe des Berliner Himmels zur „blauen Stunde“, für uns der magischste aller Momente.

Die Idee zur Uhr entstand auf dem Tempelhofer Feld – gibt es in Berlin für euch noch andere inspirierende Orte?
Ja, etliche! Das Besondere dabei ist, dass fast jeder Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt seine ganz eigene Magie hat: die Admiralbrücke in der warmen Nachmittagszeit, der Park am Wasserturm in Prenzlauer Berg am Sonntagvormittag. Diese eine sensationelle Falafelbude, die erst um fünf Uhr morgens ihre ganze Schönheit offenbart. All das inspiriert uns. Auch, wenn wir vermutlich trotzdem erstmal kein Falafelbällchen auf das Zifferblatt drucken werden…

In welchen Berliner Stadtteil passen die Lilienthal-Uhren am besten?
Fiese Frage! Genau wie die Stadt für Jeden etwas Anderes ist, passen unsere Uhren genauso gut nach Neukölln wie nach Prenzlauer Berg. Aber auch nach Mitte. Oder nach Köpenick. Oder nach Grunewald. Oder oder oder….

Wenn ihr die ursprüngliche Idee mit dem Endprodukt vergleicht: Seid ihr genau da rausgekommen, wo ihr hinwolltet oder wo völlig anderes?
Wir sind genau jetzt da, wo wir hinwollten! Wo sollten wir auch sonst sein?

Danke, Jacques!

Der Artikel ist in Zusammenarbeit mit Lilienthal Berlin entstanden.

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