Vom Kreuzberger Hinterhof auf die Bread&Butter by Zalando – Ein Atelierbesuch bei Marina Hoermanseder

© Nora Tabel

Zugegeben, Berlin hatte als Modestadt nicht immer den besten Ruf. Zwar wurde stets der lässige Streetstyle gelobt, aber bei den großen Designern hatten die Kritiker immer viel zu bemängeln: Langweilig, uninspiriert, nicht international konkurrenzfähig. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges getan und die Designszene in Berlin ist eine der angesagtesten Plattformen für junge, aufstrebende Modemacher und Modemacherinnen geworden. Weitere Unterstützung als innovative Modestadt bekommt Berlin nun durch die Bread&Butter by Zalando, die zum ersten Mal als "Trend Show" für Besucher öffnet. Unter dem Motto "NOW" zeigen vom 2. bis zum 4. September 2016 in der Arena Berlin rund 30 nationale und internationale Brands und Bands, was die Gegenwart modisch und musikalisch zu bieten hat.

Das Besondere daran: Mit der Öffnung für Besucher bekommen Interessierte die Möglichkeit, die Trends von morgen interaktiv und hautnah zu erleben, statt wie sonst üblich auf den Geschmack der Einkäufer und der Berichterstattung von Journalisten und Bloggern angewiesen zu sein. Was gefällt, ist direkt bestellbar – vorbei die Zeiten, in denen das angeschmachtete Teil erst nach Monaten des Wartens im Laden hing, vorbei sind. Mit dem Eintrittsticket für 15 Euro könnt ihr also modisch und musikalisch einen Blick in die Kristallkugel werfen – und typisch Berlin gibt es natürlich leckeres Streetfood im Außenbereich zur Stärkung.

Neben den vom Boiler Room kuratierten Music-Acts und Brand Labs von Labels wie Nike, G-Star, Herschel adidas, Reebok, Lee oder Levis® ist auch die österreichische Designerin Marina Hoermanseder mit ihrer "Marina Hoermanseder x Hello Kitty"-Kollektion Teil der Trend Show. Bekannt wurde die gebürtige Wienerin mit extravaganten Röcken und Corsagen aus Leder und Schnallen. Mittlerweile gehören ihre kunstvoll gearbeiteten Statement-Pieces zu begehrten und oft gesehenen Outfits auf den roten Teppichen des Landes.

Das lichtdurchflutete Atelier von Marina Hoermanseder liegt in den Lobeck-Höfen am Moritzplatz. © Nora Tabel

Das jüngste Projekt der gebürtigen Wienerin, die 2014 ihr Atelier in Kreuzberg bezog, schlägt hingegen eine völlig andere Stilrichtung ein: In Kooperation mit Sanrio, dem Unternehmen hinter Hello Kitty, entsteht in den lichtdurchfluteten Räumen am Moritzplatz eine verspielte Kollektion mit dem Gesicht der wohl berühmtesten Comic-Katze der Welt.

Bei meinem Besuch in Marina Hoermanseders Atelier habe ich nicht nur andächtig die filigranen Lederapplikationen und Entwürfe bewundert, sondern auch mit Marina über ihre Hello-Kitty-Leidenschaft und den neuen, demokratischen Ansatz der Bread&Butter by Zalando gesprochen:

In Marinas Büro stapeln sich Entwürfe, Muster, ein große Pinnwand für Inspiration – und ein Bett für Hündin Peanut. © Nora Tabel

Stilistisch liegen zwischen Hello Kitty und deinen eigenen Designs ja buchstäblich Welten. Wie kam denn die Zusammenarbeit zustande?
Wenn man mir auf meinen Social-Media-Kanälen folgt, sieht man schnell, dass ich einer der größten Hello-Kitty.Fans bin, meine Wohnung ist quasi ein Hello-Kitty-Museum. Eines Tages hat mich Sanrio kontaktiert und angefragt, ob ich eine Kooperation machen möchte. Das war wahrscheinlich der Anruf meines Lebens und ich bin natürlich vollkommen ausgerastet. Wir haben uns dann entschlossen, einen Teil reine Show-Pieces zu machen, aber vor allem auch Produkte für den Handel.

War das für dich einfacher oder schwieriger, mit einer konkreten Figur als Vorlage zu entwerfen?
Es war eine schöne Herausforderung, weil ich das so noch nicht gemacht habe. Ich wusste eigentlich sofort, was wie aussehen soll, aber natürlich hat man gewisse Einschränkungen: Die Schleife darf nur so sitzen und das Gesicht muss so aussehen, da gibt es ganz genaue Regeln im Styleguide. Diese Vorgaben machen aber auch vieles einfacher.

Hello Kitty ist Marina schon seit 20 Jahren verfallen – das sieht man auch an ihrem Arbeitsplatz. © Nora Tabel
Sweatshirts, T-Shirts und Halstücher: So sehen die Entwürfe für die Ready-to-Wear-Kollektion aus, die es bei Zalando geben wird. © Nora Tabel
Die Entwürfe für Showpieces auf der Bread & Butter: Corsagen, Röcke und viele, viele Blüten. © Nora Tabel

Hattest du etwas Bestimmtes auf deinem Moodboard oder war deine Wohnung dir genügend Inspiration für die Kollektion?
Die letzten 20 Jahre meines Lebens waren quasi mein Hello-Kitty-Moodboard! Es war aber auch eine gewisse Gratwanderung: Hello Kitty, aber zu welchem Ausmaß? Bei den Teilen muss ja auch etwas dabei sein für jemanden, der nicht so ein Hello-Kitty-Freak ist wie ich.

Und wie wird deine Präsentation auf der Bread&Butter selbst aussehen?
Wir planen gerade eine Installation, die an ein Kaffeehaus erinnert. Wir wollen keine große Show machen, sondern die Models sollen im Café sitzen und sind in ein einladendes Setting eingebaut. Man kann Vorbeigehen, Hereinschauen und sich einen Hello-Kitty-Cupcake mitnehmen. Das ist nahbarer und weniger plakativ als Models auf Podesten, die alle fünf Minuten einmal den Arm bewegen dürfen.

Work in Progress: Marina hat erst vor gut zwei Monaten von der Kooperation erfahren. © Nora Tabel

Wird es eher japanisch inspiriert in Anlehnung an Hello Kitty oder spielt das Kaffeehaus eher auf deine Heimatstadt Wien an?
Das Kaffeehaus selbst ist schon eher Wien, das Styling der Models dagegen ist von japanischem Streetstyle inspiriert. Das mag ich selbst wahnsinnig gern und man hat viele Möglichkeiten, um mit unterschiedlichen Looks und Variationen zu spielen.

Was ist für dich das Besondere an der Bread&Butter und warum machst du mit?
Weil es für mich ein Schritt in die Demokratisierung der Marke ist. Das "See now, buy now"-Prinzip können wir bei der Fashion Week zum Beispiel nicht immer einhalten. Dieses neue Konzept ist auch kommerzieller, aber eben auch viel direkter. Und für mich als relativ kleines Label, das anfangs mit Show-Pieces gewachsen ist, bietet die Zusammenarbeit mit Zalando eine tolle Möglichkeit, diesen kundennäheren Bereich auszutesten. Und welche Designerin präsentiert nicht gerne neben großen, internationalen Brands?

So sieht ein typisches Marina-Hoermanseder-Kleid im Rohzustand aus. Das Leder wird in einem Stück nass in Form gebogen. © Nora Tabel
Die Lederrollen für die Hello-Kitty-Kollektion verraten schon ein wenig über die Farbskala: Nude, Pastell und Naturtöne dominieren. © Nora Tabel
Für die Show fertigen Marina, ihr Team und viele helfende Hände Lederblüten an. 6000 Stück! © Nora Tabel
Die ausgestanzten Blüten werden angefeuchtet, um eine Drahtschlaufe gebogen und dann herausgelöst. Eine Technik, die Marina selbst entwickelt hat. © Nora Tabel

Wenn du deine Kollektion in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Verspielt, charmant und farbenfroh.

Und dein ganz persönliches Lieblingsteil?
Unbedingt der Hello-Kitty-Rock! Wenn man sich darin hinsetzen könnte, würde ich ihn den ganzen Tag tragen.

Sich für ein Lieblingsteil aus der eigenen Kollektion entscheiden ist fast, als müsste man ein Lieblingskind wählen! © Nora Tabel

Bread&Butter by Zalando | 2.–4. September 2016 | Arena, Eichenstraße 4, 12435 Berlin | Freitag: 16–24 Uhr, Samstag und Sonntag: 13–24 Uhr geöffnet | Tagesticket 15 Euro

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Zalando.

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