"Es wird versucht, eine Schlammschlacht zu inszenieren" – Festsaal-Kreuzberg-Manager Björn von Swieykowski spricht über die Übernahme vom White Trash

© facebook/festsaalkreuzberg

Update 17.12.: Nach der Gläubigerversammlung am 16.12. ist die Zukunft für das White Trash nun klar. Der Festsaal Kreuzberg übernimmt den Club mit eigenem Konzept.

Große Verwirrung, seitdem im November die vermeintlich frohe Kunde um die Wiedereröffnung des Festsaal Kreuzberg in der zweiten Halle des White Trash die Runde machte. Es kam schnell das Dementi: Alles abgekartetes Spiel, White-Trash-Gründer Walter Potts und Festsaal-Kreuzberg-Manager Björn von Swieykowski hätten sich auf gar nichts geeinigt, besonders nicht auf den Einzug des Festsaals. Während sich Walter Potts bereits dazu geäußert hat, haben wir nun auch Björn Swieykowski um seine Sicht der Dinge gebeten.

Björn, nachdem der Festsaal 2013 abgebrannt ist, wolltet ihr ja ursprünglich auf dem alten Gelände wiederaufbauen. Es wurde sogar Geld dafür gesammelt. Bisher tut sich auf dem Gelände noch immer nichts. Was kam dazwischen, was habt ihr mit dem Geld gemacht?
Björn von Swieykowski: Der Eigentümer des Grundstücks will lieber ein Bürogebäude auf dem Gelände errichten, als weiter die Halle an uns zu vermieten. Ob das rechtens ist, dazu gab es ein Gerichtsverfahren, das sich bis Oktober 2016 hinzog. Nun wurde ein Vergleich zwischen dem Eigentümer und dem Hauptmieter geschlossen, sodass klar ist, dass er das machen darf. Dementsprechend ist auch die letzte Hoffnung auf eine Einigung geplatzt.

Von den 32.340 Euro, die wir durch eine Crowdfunding-Kampagne bei Start Next gesammelt haben, sind noch 12.242,10 Euro übrig, die wir in den neuen Festsaal investieren wollen. Der Rest ist für Planungskosten für einen möglichen Wiederaufbau auf dem alten Gelände drauf gegangen – hauptsächlich für Architekten, ein Brandschutzkonzept und Anwaltskosten. Leider hatte uns der Eigentümer des alten Festsaals zwar erst eine Zusage zum Einreichen eines Bauantrages gegeben, diese dann aber später zurückgezogen. Der Bauantrag inklusive der damit verbundenen Gutachten war da schon angefertigt und musste von uns dann natürlich auch bezahlt werden.

Von den 32.340 Euro, die wir durch eine Crowdfunding Kampagne bei Start Next gesammelt haben, sind noch 12.242,10 Euro übrig, die wir in den neuen Festsaal investieren wollen.

Wie seid ihr auf die leerstehende Halle am Flutgraben aufmerksam geworden, was interessiert euch an dem Standort? Und gab es auch andere Optionen, den Spirit des Festsaals woanders wiederbeleben zu lassen?
Wir haben uns nach der Absage des Vermieters in der Skalitzerstraße 130 etliche Räume und Hallen angesehen. Leider hat bislang nichts davon funktioniert. Wir halten aber unsere Fahne hoch, indem wir Konzerte, die uns am Herzen liegen, im SO36, Musik & Frieden, Lido, Bi Nuu und im Astra Kulturhaus veranstalten. Ein Standort für Kultur und Musik in der Lage am Flutgraben ist daher natürlich für uns interessant. Die ÖPNV-Anbindung ist gut, es gibt keine direkten Nachbarn und die Gegend trifft beim Publikum auf Akzeptanz. Der Ort bietet viele Möglichkeiten für alles, was wir gerne veranstalten.

Von der Insolvenz haben wir schon im April aus der Zeitung erfahren. Irgendwann kam die Info, dass der Betreiber Walter Potts einen Partner oder Investor sucht, der seinen Betrieb rettet und die Halle hinter dem Restaurant bespielt. Dann ging alles Knall auf Fall. Wir haben uns mit Walter Potts getroffen, der bis dato mit Herrn Spindler von Trinity Music verhandelt hatte. Er kam sich aber von letztgenanntem scheinbar übervorteilt vor und hat sich daraufhin an uns gewandt. Wir haben dann intensive Gespräche miteinander geführt und uns den Betrieb sehr genau angesehen. Das Ergebnis war, dass eine Partnerschaft für uns nicht in Frage kommt, was wir Herrn Potts dann auch unmittelbar mitgeteilt haben.

Der Festsaal hat sich mit dem Astra, Lido, Bi Nuu und Kalkscheune zu einer Veranstaltergesellschaft zusammen getan. Wie kam es dazu?
Mit Torsten Brandt sind wir schon seit Jahren gut befreundet. Die erste Sache, die wir zusammen gemacht haben, war das Konzert mit Tocotronic (umsonst und Open Air) am Neptunbrunnen am 8. Mai 2005 zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Er hat uns damals auch beim Aufbau des Festsaal Kreuzberg unterstützt und wir ihn beim Lido. Wir hatten immer schon mal überlegt, ob wir etwas zusammen machen. Als die Option des insolventen White Trashs auf den Tisch kam, war er unser erster Ansprechpartner. Torsten schlug vor, noch die Betreiber der Kalkscheune mit ins Boot zu holen, weil es sich dabei einfach um eine Mammutaufgabe handelt und die beiden auch Interesse an diesem neuen Kulturstandort hatten. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und haben sehr kompatible Unternehmensphilosophien. Es herrschte gleich eine Atmosphäre von Respekt und Vertrauen. Das war für uns wichtig. Besonders weil FluxFM ja anfangs intensiv um uns als Partner gebuhlt hat. Das war ein starker Kontrast. Aus Erfahrung wussten wir, dass FluxFM ein guter Medienpartner sein kann, wenn alles glatt läuft. Gemeinsame Veranstaltungen, so wie wir sie im Festsaal Kreuzberg mal gemacht haben, liefen organisatorisch und finanziell nicht optimal – das war bestimmt keine böse Absicht, aber sie machen halt Radio und sind keine Veranstalter. Erschwerend dazu kam, dass für sie Walter Potts und das Konzept White Trash festgesetzt sind und sie scheinbar auch eine moralische Pflicht dafür sehen.

Björn Swieykowski im alten Festsaal in Kreuzberg © Matze Hielscher

Vor Kurzem kam die Nachricht: Der Festsaal zieht ins White Trash ein. Dann überschlugen sich die Nachrichten. Alles gar nicht so, wie in eurer Pressemitteilung behauptet. Der Insolvenzverwalter soll in Begleitung der Veranstaltergesellschaft die Schlüssel ausgetauscht haben, ohne dass es einen Kaufvertrag o. Ä. gibt, behauptet Walter Potts vom White Trash. Was ist tatsächlich passiert?
Was die von Dir angesprochenen Ereignisse angeht, ist Genauigkeit wichtig, um nicht den Lügen aufzusitzen, die aktuell verbreitet werden. Chronologisch lief das so: Der Insolvenzverwalter hat allen Interessenten eine Frist bis zum 10.11.2016 eingeräumt, um Angebote für den Kauf anzugeben. Daraufhin gab es drei Angebote: Eines vom Betreiber von Trinity Music, eines von FluxFM und eines von uns. Der Insolvenzverwalter teilte Walter Potts und uns am 14. November mit, dass wir das beste Angebot gemacht hätten und dass wir den Zuschlag bekämen. Er riet uns daraufhin, einige Schlösser auszutauschen, was er als Geschäftsführer des insolventen Betriebs ja machen darf. Das haben wir in Absprache mit denjenigen aus der Belegschaft, die Zugang benötigen, auch getan und selbstverständlich allen die Schlüssel ausgehändigt. Am kommenden Tag stellte uns der Insolvenzverwalter auf einer Personalversammlung der Belegschaft als neue Betreiber vor, das ging nicht von uns aus. Interessanterweise bekamen wir dann sehr zügig eine Interviewanfrage der B.Z., die sich auf diese Personalversammlung bezog. Wir dachten uns, wenn die B.Z. das jetzt schon weiß, ist es besser, selbst eine Erklärung abzugeben. Ansonsten hätten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geäußert. Den Entwurf für einen Kaufvertrag haben wir kurz darauf vom Insolvenzverwalter erhalten. Die unterlegenen Bieter haben daraufhin versucht, eine Schlammschlacht zu inszenieren und verbreiten unter anderem die Lüge, wir würden das gesamte Personal entlassen wollen und das Restaurant schließen. Völliger Unsinn. Weder haben wir das vor, noch wäre das rechtlich möglich. Auf das Gerede von Verdrängung will ich gar nicht weiter eingehen, das ist einfach zu absurd.

Die unterlegenen Bieter haben daraufhin versucht, eine Schlammschlacht zu inszenieren und verbreiten unter anderem die Lüge, wir würden das gesamte Personal entlassen wollen und das Restaurant schließen.

Was sind eure Pläne für das White Trash und die zweite Halle, sollte der Zuschlag an euch gehen?
Wir wollen programmatisch an das anknüpfen, was 2013 aufhörte. Es soll wieder eine breite Palette an Veranstaltungen geben: Konzerte, Partys, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, Kiezboxen etc. Etliche Veranstalter und Agenturen, mit denen wir bisher gesprochen haben, wollen gerne wieder mit uns zusammenarbeiten und freuen sich darauf. Das geht uns genauso. Natürlich soll es dabei wieder genreübergreifend zugehen. Für uns ist es dabei wichtig die Besucher auf Augenhöhe anzusprechen und einen Raum des gegenseitigen Respekts zu schaffen.

Das Restaurant muss saniert werden, denn in seiner jetzigen Form schreibt es rote Zahlen. Das ist eine spannende Herausforderung für uns. Wir glauben aber, dass wir das mit unseren Partnern und der Belegschaft schaffen können. In ersten Gesprächen mit Mitarbeitern konnten wir schon positive Eindrücke sammeln. Und das, obwohl die aktuelle Situation für die dort Arbeitenden zur Zeit natürlich alles andere als gut ist. Das muss sich ändern. Für uns ist eine gute Personalentwicklung wichtig, die beispielsweise die Schaffung von Ausbildungsplätzen beinhaltet. Den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive und gute Arbeitsbedingungen zu bieten, ist uns nicht weniger wichtig, als die Etablierung eines vielfältigen und anspruchsvollen Programms.

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