11 Führungen durch Berlin, die auch für Hauptstädter interessant sind

"Sightseeing ist was für Touristen." Als gebürtige Berliner oder überzeugte Wahl-Berliner fühlen wir uns gern denjenigen überlegen, die sich hier nicht auskennen und uns dauernd im Weg stehen, weil sie einen Blick auf den Stadtplan werfen müssen. Dabei vergessen wir oft, dass es auch abseits von Doppeldeckerbussen, Bierbikes und Ausflugsdampfern Wege gibt, die Stadt zu entdecken. Wir meinen diese Stadt zu kennen, doch wissen wir längst nicht alles über sie. Und manchmal erscheint uns schon alles außerhalb unseres gewohnten Kiezes wie eine völlig andere Welt. Eine Welt, die es zu entdecken und erforschen gilt. Hier sind 11 Vorschläge, wie ihr euren Horizont erweitern und die Stadt aus einer ganz neuen Perspektive sehen könnt.

1

Die Straße als Zuhause

Das Leben auf Berlins Straßen kann verdammt hart sein. Vor allem für all diejenigen, die kein eigenes Zuhause haben, in das sie abends zurückkehren können. Im Rahmen der Querstadtein-Tour "Berlin Mitte II: Privatleben im öffentlichen Raum" führt ein ehemaliger Obdachloser durch Mitte, vom Spittelmarkt über den Checkpoint Charlie bis zum Martin-Gropius-Bau. Hier zeigt er, wie er es zwischen Touristenattraktionen und Shopping-Tempeln neun Jahre lang geschafft, hat am untersten Rand der Gesellschaft zu überleben und welche Erfahrungen ihn dabei für immer geprägt haben. Ein beeindruckender und lehrreicher Einblick in das Leben am Abgrund, das sich tagtäglich vor unserer Nase abspielt.

2

© Milena Zwerenz Route44 in Neukölln begehen

Lange, bevor der Kiez zwischen Rathaus Neukölln, Sonnenallee und Richardplatz zum Mekka "gut gekleideter" Studenten, Start-up-Gründer und Fixie-Fahrer wurde, waren sie schon hier. Jetzt zeigen deutsch-türkische Neuköllnerinnen kulturinteressierten Zugezogenen ihr Zuhause und erzählen persönliche Geschichten, die einen spannenden Einblick in den Alltag der muslimischen Gemeinde bieten.

3

© Youtube/Doku Charlottengrad Auf russischer Spurensuche in Charlottengrad

Russland und Berlin verbindet seit jeher eine innige Liebe. Die beeindruckendsten Zeichen dieser Liebe finden sich vor allem im ehemaligen Ostteil der Stadt, in Mitte, Pankow oder dem Treptower Park. Dabei ist nirgendwo die russische Seele so lebendig wie im alten Westen, in Charlottenburg. Heute gibt es hier eine große russische Gemeinde und einen russischen Supermarkt, in dem man 24 Stunden am Tag Wodka, Aljonka-Schokolade, Pelmeni und Birkensaft kaufen kann. Gleichzeitig blickt Charlottenburg auf eine lange Tradition als Ersatzheimat für Exilrussen zurück, denn schon in den 1920ern zog es aus der Sowjetunion geflohene Schriftsteller und Intellektuelle nach "Charlottengrad". Die Tour widmet sich diesem kulturellen Erbe.

4

© Wiebke Jann Spazieren gehen auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee

Frische Luft tut gut. Schöne Spazierstrecken gibt es in Berlin zuhauf, darum ist es manchmal ganz gut, eine Empfehlung an die Hand zu bekommen. Also los: Besonders schön läuft es sich über den Jüdischen Friedhof in Weißensee, der mit über 115.000 Grabstellen einer der größten jüdischen Friedhöfe Europas ist. Wer noch mehr Frischluft braucht, kann im Anschluss noch eine Runde um den Weißen See drehen.

  • Jüdischer Friedhof
  • Herbert-Baum-Straße 45, 13088
  • Winteröffnungszeiten (bis 31.03.) Monntag bis Donnerstag 7:30–16:00 Uhr, Freitag 7:30–14:30 Uhr, Sonntag 8:00–16:00 Uhr, Schabbat (Samstag) und Feiertage geschlossen
5

© Lena Meyer Nachtwanderung im Grunewald

Wenn die Nacht sich langsam senkt und die ersten Sterne zwischen den Blättern der Bäume aufblitzen, verwandelt sich der Grunewald in einen magischen Ort. Dann, wenn sich eigentlich kein Spaziergänger mehr hinaus wagt, erwacht die Natur erst richtig zum Leben und die Bewohner des Waldes begeben sich im Schutze der Dunkelheit auf Nahrungssuche. Die dreistündige Wanderung eignet sich besonders für abenteuerlustige Großstadtfamilien, aber auch Nachtschwärmer ohne Kinder sind herzlich willkommen.

6

© Filmszene Weekend Tour mit dem 100er Bus

Der Bus Nr. 100 ist die billigste Stadttour und wahrscheinlich das best bekannteste Touristengeheimnis der Stadt. Der öffentliche Bus bringt euch einmal an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei und dazu gibt es noch eine ordentliche Portion Berliner Nahverkehrsrealität, die eigentlich bei keinem Eltern-Berlin-Besuch fehlen sollte.

7

© jo_web | FlickrCC BY-SA 2.0 Führung Komische Oper

Wer nicht selber auf der Bühne steht oder als Techniker, Beleuchter oder Requisiteur am Theater arbeitet, dem bleibt der Blick hinter die Kulissen meist verwehrt. Dabei geht es hinter der Bühne mindestens genauso aufregend zu. Bei der Führung durch die Komische Oper dürfen Besucher endlich das verborgene Reich hinter dem Zuschauerraum betreten und erfahren, wer hinter den Kulissen die Strippen zieht.

8

© dierk schaefer | FlickrCC BY 2.0 Berliner Spurensuche

Der etwas andere Stadtspaziergang beschäftigt sich mit dem Berliner Strafvollzug in den letzten 150 Jahren. Mit berühmten Kriminellen wie dem Hauptmann von Köpenick oder den Bankräuber-Brüdern Sass. Die Tour führt vom Kriminalgericht in der Turmstraße durch Moabit. Auf dem Weg können Teilnehmer sogar ein echtes Gefängnis von innen kennenlernen – zum Glück nur vorübergehend.

9

© Charlott Tornow Bowie Berlin Walk

Auch wenn die Hauptstraße in Schöneberg nicht in David-Bowie-Straße umbenannt werden durfte, gibt es in Berlin weiterhin genügend Orte, an denen man dem Verstorbenen huldigen kann. Der dreistündige Spaziergang beginnt am Martin-Gropius-Bau, wo 2014 die beeindruckende Retrospektive "David Bowie Is" gastierte, und führt vorbei an den Hansa-Studios zum Potsdamer Platz und schließlich in Bowies alte Wahlheimat Schöneberg. Bowie selbst war der Legende nach übrigens kein großer Fußgänger, sondern erkundete die Stadt lieber mit dem Fahrrad oder der S-Bahn.

10

© Katrin Behrens Führung durchs Olympisches Dorf

Das Olympiastadion gilt als eines der Musterbeispiele größenwahnsinniger NS-Architektur. Bis heute hat es sich gut gehalten und trotzt bei jedem Hertha-Heimspiel und jedem musikalischem Großereignis jeglicher Altersschwäche. Nicht ganz so gut gehalten hat sich das ehemalige Olympische Dorf, das knapp 20 Kilometer weiter westlich vor den Toren der Stadt in Brandenburg liegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg logierte in den ehemaligen Sportlerunterkünften die Rote Armee, bis die Soldaten 1992 endgültig abzogen. Seitdem liegt das Gelände brach und ist zu großen Teilen verfallen. Trotzdem oder gerade deshalb lohnt sich eine Führung durch die Ruinen, weil die Geschichte hier auf unheimliche Weise zu neuem Leben erwacht.

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© Sascha Wolters Geflüchtete in historischer Perspektive

Nicht erst seit dem großen Zuzug geflüchteter Menschen nach Deutschland im Jahr 2015 wird immer wieder mit bitterem, rechten Beigeschmack darüber diskutiert, inwiefern verschiedene Kulturen zu Deutschland gehörten und damit Angst vor "Überfremdung" geschürt. Beeinflusst von dieser Berichterstattung hat der Stadtführer Toby Allers seine Tour entwickelt, die von der Klosterstraße über das Engelsbecken bis nach Kreuzberg führt und uns zeigt, dass Berlin schon immer ein (Zufluchts)Ort verschiedenster Menschen und Kulturen war und ist – und die Stadt genau deshalb zu dem spannenden Ort macht, der sie ist.

Noch mehr Berlin gefällig? Auf dieser Tour könnt ihr die DDR-Vergangenheit entdecken.

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