Eine Hilfsorganisation übernimmt die Betreuung der Flüchtlinge in Moabit

Wie ein Schlag ins Gesicht kam am Donnerstag die Nachricht: Die Bürgerinitiative "Moabit hilft" darf vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Moabit kein Essen mehr an die Flüchtlinge austeilen. Eine anonyme Anzeige erreichte das Veterinäramt, das den Helfern die Essensausgabe an die bedürftigen Flüchtlinge untersagte, weil Hygienevorschriften nicht eingehalten würden. Diana Henniges, Sprecherin der Initiative, sagte dazu:

Draußen sind Leute mit risikoreichem Bluthochdruck und Insulinwerten, Frauen, die ihre Wehen bekommen, Menschen, die an infektiösen Krankheiten leiden oder Schrapnell im Auge hatten. Die liegen auf dem Gelände – und worum man sich Sorgen macht ist, dass die Gesundheitsvorschriften in unserem Land eingehalten werden.

Man möchte vor Wut heulen, wenn man solche Nachrichten hört. Die Initiative und die freiwilligen Helfer sind seit eineinhalb Wochen die einzigen, die sich wirklich für die Flüchtlinge vor dem LaGeSo einsetzen, ihnen mit Lebensmitteln, Wasser und Kleidung ein Stück Restwürde schenken (mit welchem Einsatz die Helfer vor Ort dabei sind, könnt ihr hier nachlesen).

Helfer-DianaDiana Henniges am Dienstag auf dem Gelände des LaGeSo

Trotz der schlechten Nachrichten am Morgen entspannte sich die Situation aber Donnerstagabend. In der Facebook-Gruppe von "Moabit hilft" berichtete Henniges über ein Gespräch mit dem LaGeSo und dem Bezirksbürgermeister. Dabei wurde folgende Einigung errungen:

  • ab Montag wird eine Hilfsorganisation die organisatorische Leitung übernehmen
  • für eine angemessene ärztliche Vollversorgung (die bisher vom Deutschen Roten Kreuz mit ein paar Helfern abgedeckt wurde) wird ab Freitag, spätestens Montag gesorgt
  • es wird eine Fläche vorbereitet, auf der große Zelte stehen werden, um die wartenden Menschen auch vor Unwetter zu schützen
  • es werden neue Unterkünfte erschlossen

Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er zu spät kommt. Henniges schreibt in ihrem Post, dass sie am Ende ihrer Kräfte sei. Die Initiative könne die Organisation nicht mehr leisten, "da wir eine Privatisierung der humanitären Hilfe ablehnen und dazu nach dieser Woche so heftig an unsere körperlichen und emotionalen Grenzen stoßen, dass es langsam untragbar wird und natürlich keiner für immer ein Ehrenamt in der Form ausüben kann."

Bis eine Hilfsorganisation vor Ort ist, ist weiterhin unsere Hilfe gefragt. Die aktuelle Bedarfsliste für Spenden im LaGeSo findet ihr hier. Außerdem wird freiwillige Hilfe z.B. in den Flüchtlingsheimen in Karlshorst (Köpenicker Allee 146–162) und Spandau (Askanierring 106) benötigt.

Lageso


Fotos: © Charlott Tornow

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