Rollerderby mit den Berlin Bombshells

"Du bist der schwächste Mensch, den ich kenne" hat letztens jemand zu mir gesagt. Das ist natürlich total übertrieben, aber leider auch nicht ganz von der Hand zu weisen, denn Muskeln gibt es bei mir irgendwie nicht. Was daran liegt, dass ich beim Thema Sport Prioritäten setze: Sport mache ich nicht, sondern schau viel lieber anderen dabei zu. Eine meiner Lieblingssportarten dafür ist Rollerderby, das mir mal als "Mädchenschubsen auf Rollschuhen" empfohlen wurde. Ganz so simpel ist es natürlich nicht. Ich habe mit Janina gesprochen, die vor sechs Jahren die "Berlin Bombshells" gründete.

Für alle, die mit Rollerderby gerade gar nichts anfangen können. Kannst du uns was nochmal erklären: Was ist Rollerderby und wie wird es gespielt?
Rollerderby ist ein Teamsport auf Rollschuhen, ausgetragen auf einer ovalen Bahn gegen den Uhrzeigersinn. Es treten zwei Mannschaften gegeneinander an, von je 14 Mitgliedern sind fünf auf der Bahn. Davon ist eine Spielerin die Punktemacherin: Sie muss innerhalb von zwei Minuten die Gegnerinnen so oft wie möglich überrunden. Für jede überholte Gegnerin erhält sie einen Punkt. Die restlichen Spielerinnen versuchen die gegnerische Punktemacherin aufzuhalten oder ihrer eigenen zu helfen. Legaler Körperkontakt begrenzt sich auf die Hüften, Schultern und den Vorderkörper. Zu illegalen Manövern gehören: Festhalten, Ellbogenschübe, Bein stellen und in den Rücken fahren. Nach Ablauf der zwei Minuten kann die Mannschaft ihre fünf Spielerinnen auswechseln. Das Spiel dauert zweimal 30 Minuten.

Ihr seid 2013 Deutscher Meister geworden. Wie können wir uns denn die Rollerderby-Liga vorstellen?
Rollerderby in Deutschland hat ein sehr hohes Potenzial, was man daran erkennen kann, dass sich in den vergangen zwei Jahren über 25 neue Teams gegründet haben, mittlerweile gibt es ca. 40 Teams in Deutschland. 2010 haben wir die erste Deutsche Meisterschaft in Berlin organisiert und belegten Platz 2 hinter den Stuttgart Valley Rollergirls. Mittlerweile spielen wir auf einem internationalen Level und treten nur, wie beispielsweise im vergangen Jahr bei der Deutschen Meisterschaft in Stuttgart gegen deutsche Teams an. Aber es sind mittlerweile die ersten Liga-Strukturen zu erkennen, der Zusammenschluss aller deutschen Mannschaften beim DRIV sind die ersten organisatorischen Anzeigen für einen Ligabetrieb und ich bin sicher, dass sich diese Strukturen in den kommenden Jahren vertiefen werden.

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Wie viele Mädchen sind mittlerweile bei euch im Team und falls jetzt jemand Lust darauf bekommt: Wie kann man eine von euch werden?
Zu Beginn 2008 waren wir eine handvoll Mädels und mittlerweile sind wir über 150 Ligamitglieder. In verschiedenen Kursen trainieren wir die Spielerinnen entsprechend ihrer Fähigkeiten. Die BERLIN BOMBSHELLS sind das A-Team und setzen sich aus den besten Spielerinnen zusammen. Wir spielen auf internationalem Level. Die INGLOURIOUS BOMBSHELLS sind unser B–Team, das hauptsächlich gegen europäische Teams und Teams aus Deutschland spielt. Hier ist das Ziel, Spielerfahrungen zu sammeln und zu versuchen in das A-Team zu kommen. Danach folgen das C-Team, die Newbies und Wreck, bei dem man alte Spielerinnen oder Mädels findet, die einfach nur aus Spaß am Skaten haben. In regelmäßigen Abständen starten wir neue Newbie-Kurse. Wer also Interesse hat, meldet sich einfach unter [email protected].

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Warum musste es für dich gerade Rollerderby sein?
Zu Beginn hatte ich einfach nur Lust, mit ein paar Freundinnen wieder Sport zu treiben. Fitnessstudios oder andere Einrichtungen sprachen uns aber nicht wirklich an. Sicherlich kann es Spaß machen, einfach aus FUN seinen Körper zu trainieren, aber irgendwie wollten wir mehr. Ich hatte dann 2007 die Möglichkeit mir ein Spiel in den USA und in Stuttgart anzuschauen und war begeistert. So kam dann die Idee, einfach ein eigenes Team in Berlin zu gründen und das habe ich dann auch gemacht. Das einzigartige an Rollerderby ist, dass es keine Rolle spielt, ob du groß oder klein, dick oder dünn, sportlich oder nicht so sportlich bist, sondern ob du den Biss hast, das durchzuziehen.

Was war die schlimmste Verletzung, die du bisher hattest?
Viele denken, dass ein Vollkontaktsport wie Rollerderby auch viele Verletzungen nach sich zieht, aber das ist nicht richtig. Wie in allen anderen Sportarten treten bei uns die klassischen Sportverletzungen auf. Neben Zerrungen und Knieverletzungen haben wir blaue Flecken und mal eine blutige Nase, aber im Großen und Ganzen war es das zum Glück. Meine schlimmste, schmerzhafteste Verletzung war eine Rippenprellung.

Jede Spielerin hat ja einen eigenen Derbynamen. Wie lautet deiner?
Mein Derbyname ist FoXy Führer, das war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Die Aufgabe des Derbynamens ist es, vor allem die Gegnerinnen einzuschüchtern und sicherlich auch zu provozieren. Mit FoXy Führer klappt das sehr gut.

Auffällig ist, dass ihr alle immer besonders gekleidet und geschminkt seid. Manche tragen Netzstrumpfhosen, andere Strapse. Ist das eine Art "Pflicht" oder macht man sowas einfach automatisch?
Wie sich jede Spielerin kleidet oder schminkt ist ihr selbst überlassen, das hängt auch immer von der Tagesverfassung ab und wird meist spontan entschieden. Es gibt aber viele Spielerinnen, die bekannt sind für ihre tollen „Kriegsbemalungen“. Wir spielen unter dem Dachverband WFTDA – Womens Flat Track Association, hier gibt es mittlerweile ein Reglement, wie das Trikot aussehen muss, also zum Beispiel die Größe der Nummer und so weiter.

Ich bin wie vielleicht viele andere auch durch den Film „Whip It“ auf Rollerderby aufmerksam geworden und alle Mädchen im Film scheinen ganz selbstbewusste und charakterstarke Persönlichkeiten zu sein. Ist das übertrieben dargestellt oder ist Rollerderby dann doch eine Charakter-Sportart?
Wie wir alle schon feststellen mussten, neigt Hollywood an der ein oder anderen Stelle gerne zu Übertreibungen, das gilt sicherlich auch für den Film „Whip It“. Ich habe den Film natürlich selbst gesehen und Rollerderby, wie es in dem Film dargestellt wurde, hat nur wenig mit der Realität zu tun. Ich denke, dass sich Sport im allgemeinen positiv auf einen auswirkt. Sportliche Erfolge im Team oder auch einzelne Person, den berühmten Schweinehund überwinden oder auch Niederlagen bewältigen, machen einen stärker und auch selbstbewusster. In einer Mannschaft wie den Berlin Bombshells findet man alle Charaktere, die es so gibt, wieder. Wir haben ruhige, laute, lustige, fröhliche Spielerinnen. Man muss ganz sicher keine Rampensau sein, um Rollerderby spielen zu können. Es ist aber sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass es, wenn wir als Team unterwegs sind, häufig sehr laut und lustig werden kann.

Wer jetzt Lust auf Rollerderby bekommen hat, kann sich diesen Samstag, am 15. März, den nächsten Bout in der Arena Berlin ganz dick im Kalender eintragen. Dann spielen die Berlin Bombshells gegen die Crime City Rollers aus Malmö. Wir verlosen 5x2 Tickets, wenn ihr uns in die Kommentare schreibt, wie euer Rollerderby-Name wäre. 

Einlass: 18 Uhr
Beginn: 19 Uhr
Tickets: 13 Euro
Danach: Afterboutparty im Bi Nuu

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Fotos: Michael Wittig

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