Mittwoch, 02.01. Schlawinchen - Kreuzberg
Was macht man, wenn man zwischen den Jahren noch mal alles aufräumen will, was sich im Laufe des Jahres aufgestaut hat? Wenn die herzallerliebste Freundin mit ihrem Freund Schluss macht und man selbst eine Affaire beendet und in diesem Moment merkt, dass es falsch war? Richtig, man liegt ein paar Tage im Bett und hört sich die schlimmsten und schönsten Songs an, doch irgendwann kommt der Punkt: Wir müssen hier raus. Der Weg durfte nicht weit und es sollte nicht zu aufgeräumt sein, und da fiel es mir wieder ein: Das Schlawinchen.
Dieser Laden hat seit mehr als 30 Jahren durchgängig geöffnet und das macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Es ist weder sauber noch aufgeräumt, aber es ist auch alles andere als eine typische Kaschemme. Denn wer einmal den Kopf hebt, der entdeckt an der Decke die unmöglichsten Dinge. Pünktlich zu Silvester wurde diese sowieso schon überladene Dekoration noch extra mit Neujahrsschmuck verschönert. Wenn man das Schlawinchen betritt, dann muss man sich entscheiden: Will man oder nicht? Sollte man sich fürs Bleiben entscheiden, dann kennt man nach 2 Stunden die Hälfte aller Gäste, nach 3 Stunden alle Anwesenden. Quer durch den Laden geben alle allen einen aus und es kann durchaus passieren, dass die Bardame bei der Bestellung sagt: "Moment, ich muss noch schnell zu dem Lied tanzen, dann bin ich wieder bei dir!" Man führt absurde und schöne Gespräche mit Leuten, die man sonst wahrscheinlich eher nicht kennengelernt hätte. Auf ein "Liebeskummer ist halt Luxus, Baby!" antwortet der Chef: "Unser Liebeskummer ist kein Luxus, Baby, und das ist auch gut so!"
Liebes Schlawinchen, ich komme wieder, mit oder ohne Liebeskummer.
Schlawinchen: Immer geöffnet