Darwin Deez "Songs For Imaginative People" - im Plattenladen

Eigentlich soll man nicht nach Äußerlichkeiten beurteilen. Oft verbirgt sich hinter einem ersten Eindruck ja doch ein ganz anderer Charakter. Das ist aber nicht so einfach und man erwischt sich immer wieder dabei, dass man Menschen in Schubladen steckt. Darwin Deez steckt in der Schublade namens "Indiehereo". Dieses Stirnbändchen um diese Ponylöckchen verbindet sich zu leicht mit einem ganz typischen Sound im Kopf und so ein Schnurrbart...

Definitiv war der niemals im Football-Team. Er ist sozusagen Napoleon Dynamite's Bruder. Der wurde des öfteren vor seinem Spind angerempelt und hat angefangen, im Schlafzimmer Musik zu machen. Aber das ist gut so! Ich stelle mir das so vor: Gitarre unterm Bett und ganz viele Bücher und Polaroidfotos überall.

2010 war da ein wunderbares Album. Oder eher ein Song mit einem wunderbaren Video. "Radar Detector" strotzte vor pastelligem Pink und Türkis, lustigen Apparaturen und Mädchen in bunten Pullis. Und ein verdammt poppiger Refrain, der extrem lange im Ohr hängen blieb. Es folgten ein paar sehr wilde Festivalauftritte. Denn dieser Nerd mit den wippenden Locken ist live auf der Bühne ein wahrer Tanzvirtuose.

Jetzt ist da ein neues Album: "Songs For Imaginative People" erscheint diesen Freitag. Der Sound ist weitestgehend gleich geblieben. Weiterhin gesampelte Drumsounds und hoch gestochene Vocallines. Achtet man auf den Text, merkt man, dass da viel drin steckt, dass sich Herr Darwin um viele Sachen Gedanken macht. Frauen sind da mal Kumpels und nicht Objekt der Begierde. Es sind immer Ferien und überhaupt: "Sky is not the Limit!" Die Songstruktur ist nach wie vor interessant. Witzige Breaks gleich im ersten Song "(800) Humans". Die Gitarre schrammelt mehr. Baltimore Style.

Das Ohr bleibt aber nur kurz hängen. Immer, wenn das ganze ein bisschen Fahrt aufnimmt, dann fehlt ein drückender Bass oder eine Hook. In der ersten Single-Auskopplung "Free (The Editorial Me)" gibt es einen Refrain, der klingt wie von Brandon Boyd von Incubus gesungen. Nach ein paar Songs hat man das Gefühl, dass alles immer langsamer wird. Das passt nicht so ganz. Die Stimmung fehlt. Die Leichtigkeit, die da so mitschwingt geht dieses Mal ein bisschen auf die Nerven.

Schade ist vor allem, dass die Optik, die den ersten Streich so interessant gemacht hat, erst recht auf der Strecke geblieben ist. Der Typ sieht immer noch so aus wie vor 3 Jahren. Er hat ein bisschen Bart bekommen. Doch statt der grellen Farbe bleibt alles in Sepia-Tönen dahingestellt. Ohne Lippenstiftmaschine. Warum müssen denn alle erwachsen werden?

Aber was erwartet man auch. Ein so spezieller Typ muss sich eigentlich nicht weiterentwickeln. Vielleicht kann er es auch nicht. Zu sehr steht da ein Image und ein Sound im Weg, der sich nicht leicht weiterdenken lässt. Wie soll da ein Neuentwurf aussehen? Die Schublade in der Darwin Deez steckt, ist zu prägend. Und bleibt weiterhin geschlossen. Das weiß er anscheinend auch selbst. Jedenfalls ist er im ersten Video zum neuen Album in einer Dauerschleife gefangen.

Darwin Deez - Free (The Editorial Me) from Lucky Number Music on Vimeo.

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