MODEVERGNÜGEN #8 Interview mit Berlin´s Hutprinzessin Nele Schreiner

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Ich stehe in der kleinen Werkstatt von Nele Charlotte, in der sie die Hüte für ihr Label NCA designt und anfertigt. Alles wirkt wie eine Puppenstube und auch etwas Magisches hat es. Um uns herum Garn, Kopfmodelle, darauf Hüte, viele Stoffe, seltsame Geräte und Utensilien zum bearbeiten ihrer Kreationen. Nele plaudert mit mir über ihre dreijährige Ausbildung zur so genannten Modistin bei der berühmten Hutmacherin Fiona Bennet und die Zeit in einer der 3 einzigen Schulen die es hier zu Lande dafür gibt. Sie schwärmt davon, dass es in London sogar ein eigener Studiengang ist, es dort Hutmagazine gibt und Hutshows während der Fashionweek. Außerdem erzählt mir die sympathische 27jährige dass sie es als ihre Mission ansieht, Deutschland auch ein bisschen in diese Richtung zu treiben – mehr gute Hüte würden ihr auf den Köpfen der Straßen gefallen, dabei streift sie fast sinnlich mit einer Art Bürste über einen schwarzen Filz-Bowler. Sie selbst trägt statt Hut einen zerzausten Pferdeschwanz und wirkt zauberhaft in dieser Hutmacheratmosphäre mitten in dem Prenzl’berger Hinterzimmer-Atelier.

Warum bist du Hutmacherin geworden?
Ich hab über den Beruf gelesen und ich wusste nicht, dass man das überhaupt noch lernen kann. Ich habe mich verliebt in die Berufsbeschreibung der „Hutmacherin“. Ich dachte das ist genau das, was ich jetzt machen will. Davor hatte ich begonnen Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte zu studieren.

Was kann der perfekte Hut deiner Meinung nach?
Er muss selbstverständlich sein, als würde er mit zum Kopf gehören, als wäre es völlig normal aber gleichzeitig auch diesen gewissen Aha-Effekt auslösen – obwohl, nein er braucht diesen Wow Effekt eigentlich gar nicht immer.

Wo sieht man die Leute mit den schönsten Hüten?
Ich sehe sie eher in alten Zeiten – in den 30ern und 50ern. Die 40er waren natürlich durch den Krieg geprägt aber auch da haben die Frauen einfach die Männerhüte zu ihren Zwecken umgemodelt. Heute sieht man tolle Hüte z.B. in London, dort ist die Hutkultur viel ausgeprägter als hier. In Berlin – ich hoffe es wirkt jetzt nicht überheblich – sehe ich auf den Straßen auch sehr viele blöde Hüte – Hüte die nicht passen oder wenn man überall nur noch ein Modell sieht wie damals das Pete Doherty-Stück – Hüte können auch schnell albern wirken. Die Menschen müssen wieder ein Gespür dafür kriegen. Pferderennen, das ist nicht meins, mal schön anzusehen ja, aber es ist einfach nicht mein Geschmack – dieses opulente, überladene.

Du hast dein Handwerk ja bei Fiona Bennett gelernt, was war das Wichtigste, was sie dir mitgegeben hat?
Wie der Hut getragen werden muss was diese Selbstverständlichkeit betrifft – und auch den richtigen Blick hat sie mir mitgegeben – wie soll ich das erklären – einfach ein Gespür für Proportionen.

Hast du einen Tipp für Hutträger-Anfänger?
Erst einmal mit einem schlichten Modell anfangen und sich an das Gefühl gewöhnen etwas auf dem Kopf zu tragen und sich dann mit den „Fortgeschrittenen-Modellen“ steigern.

Gibt es Trage-Regeln?
Nein im Gegenteil. Heute gehört es einfach zum Style dazu. Du lässt den Hut einfach auf.


Wem steht welcher Hut am besten?
Das kommt auf die Gesichter an. Es gibt für jeden Kopf einen Hut – es gibt Gesichter die können viele Modelle tragen und es gibt Köpfe da muss man ein bisschen suchen aber es gibt keinen Kopf, dem gar kein Hut steht. Manchmal muss man die Vorstellungen des Kunden etwas zerstören aber am Ende ist jeder glücklich mit dem Resultat.

Wann und wo trägst du Hut?
Also – mhhh –ehrlich gesagt bin ich nicht der Hutträger haha – ich trag Mütze oder Baske an Bad-Hair-Days aber ich bin komplett dran gewöhnt etwas auf dem Kopf zu haben – es fühlt sich gut an.

Wie lange hat dein längster Hut gedauert?
Das war noch während der Ausbildung. Zwei Wochen lang ein Modell was komplett mit sehr dünnen weißen Federn besetzt war – es dauerte ewig bis er komplett dicht war.

Welcher war dein spannendster Hutauftrag?
Ich finde den Wechsel spannend zwischen Hüte für Mode zu machen, Hüte fürs Theater oder für den Film weil es immer ein anderes Arbeiten ist. z.B. muss man bei einem historischen Film darauf achten, dass man keine offensichtlichen Nähmaschinennähte hat, weil es das einfach damals noch nicht gab und muss sich natürlich mit dem Drumrum beschäftigen. Materialien, Farben usw. Beim Theater muss man bedenken, dass die Sachen viel besser halten müssen und sichtbar werden – auch über den großen Orchestergraben. Man muss beachten, dass die Schauspieler singen, springen und auch schwitzen – es gibt unheimlich viele Faktoren zu berücksichtigen. In der Mode ist es dann wieder ganz anders.

Webseite: nca-berlin.com. Dort könnt ihr ihre erste Kollektion sehen und sie kontaktieren, falls ihr einen angefertigten Hut haben möchtet.

Fotos: Matze Hielscher

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