ARTVERGNÜGEN #41 – Sommer.Frische.Kunst Festival

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Während es letztes Wochenende ganz Berlin stöhnend an die Seen zog, machte ich mich auf in die österreichische Bergidylle, um die diesjährigen Künstler des Sommer.Frische.Kunst Festivals an ihrem Abschlusswochenende zu treffen. Einen Monat lang arbeiteten sieben Künstler aus Deutschland, Österreich, Südtirol und Russland im schönen Bad Gastein und besetzten einen ganz Ort mit ihrer Kunst.

Tag 1 – Obstler mit der Dorfjugend und warum da eigentlich Stroh liegt

Bad Gastein macht gleich zu Anfang alles richtig: Es legt mir einen süßen Hund vor die Hoteltür. Der Hund heißt Paul, ist ein Dalmatiner und gehört zu Hotelbesitzer Olaf, der mit seinem „Regina” dem Ort ein Schmuckstück von Behausung geschenkt hat. Im Radio läuft FluxFM und die Angestellten haben mehr Tattoos als ich Punkte auf Paul zählen kann. Etwas blass von so viel unerfüllten Östrreich-Klischees bekomme ich Kaffee und etwas Ortskunde hinter die Ohren. Bad Gastein hat früher die Kaiser und Fürsten angezogen, die Sissi ließ sich hier kurieren und Billy Wilder ließ halb Hollywood anreisen. Viele der prachtvollen Hotels und Häuser verfallen inzwischen, Schuld daran ein einzelner Mann, der die meisten Immobilien in seiner Hand hält und abenteuerlichen Legenden nach mit Absicht bröckeln lässt. Im Winter floriert das Tal, es lässt sich bestens Ski laufen und Silvester feiern. Das Sommerfrischekunstfestival soll nun auch im Sommer für Bewegung sorgen.

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Auf also geht es zu den Künstlerateliers, die sich in einem alten Kraftwerk am dezibelstarken Wasserfall befinden. Der Weg dorthin ist steil, mein Schuhwerk schlecht gewählt, aber die Aussicht die reinste Kur für betongetrübte Augen. Ich bin gespannt, was diese Umgebung mit den Künstlern und er Kunst gemacht hat. Die sympathische Miriam Jonas bringt die Berglandschaft in ihrem Atelier gleich einmal unter Glashauben. In Form von grünem Styrodur wirken die pittoresken Berge wie der Traum jeden Modelleisenbahners. In einem anderen Raum lädt sie mit einem Buch, auf dessen Cover “Lebst du richtig?” steht, zum Nachdenken in einem weißgrünen Interior ein.

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Hamburger Lars Hinrichs erklärt ohne Worte, warum da eigentlich Stroh liegt. Er hat sich und eine Schauspielerin in Lederhosen und Dirndl inmitten eines Heubergs drapiert, beide mit verschmierten Kussmündern und friedlich schlafend. So schön anzusehen, dass man verweilen möchte. Und um die beiden vielleicht doch beim Blinzeln zu ertappen. Nikola Röthemeyer verwertete vor Ort gefundene Materialien, wie das Briefpapier des Hotels und alte Zeitschriften, für ihre filigranen Papierarbeiten.

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Mit gerahmten Typographieschönheiten wie „Yoga and Vodkasoda” und „Fill Art with Street” stellt der Südtiroler Nicolò Degiorgis neue Regeln der Arbeit auf, die durch seinen Aufenthalt in Bad Gastein geprägt wurden. Der introvertierte Russe Aslan Gaysumov hingegen setzt sich auch im friedlichen Österreich mit dem Krieg in Tschetschenien auseinander. Ein Wasserkrug im Raum erinnert sowohl an seine Heimat als auch an Österreich.

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Bei der Atfter-Art-Party schwärmen die Künstler einstimmig von ihrer Zeit bei der Kunstresidenz. Nach ein paar Runden Obstler liegen sich Stadtexoten und Dorfjugend schunkelnd in den Armen. Irgendwo holt jemand eine Trompete her und versorgt uns mit Schlagern.

Tag 2 – Sissi, Franzl und Bergkäseknödel

Nach einem Besuch in den Ateliers geht es heute auf Spurensuche der Künstler in Bad Gastein selbst. Am auffälligsten hierbei sind die Arbeiten des Wieners Clemens Wolf, der mehrere hundert Meter Bauzäune vergoldete, die vor den vielen leerstehenden Häusern des Ortes stehen ,um neugierige Besucher abzuhalten.

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Von dem Berliner Künstler Malte Urbschat finden sich Bergkristalle aus Stahl im Ort. Am schönsten ist die Skulptur auf einer Holzplattform im Wald, auf der bevorzugt Yoga bei Postkartenaussicht praktiziert wird. Malte selbst macht kein Yoga. Vielleicht geht er dafür lieber ins Casino, zumindest finde ich Bad Gasteiner Casino seine Skulpturen von „Sissi und Franzl”, nicht reloaded dafür recycelt.

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Von Malte finden wir im Ort aber noch viel mehr Spuren, inzwischen kennt er sich aus und führt er uns kurzerhand selbst durch den Ort.

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Tag 3 – Ein bisschen wie Ferienlager

Abschied von den Künstlern bei Weißwurst und Brezeln. Und überhaupt: Lasst uns doch bitte Freunde bleiben. Der Aufenthalt in Bad Gastein wirkt nach. Man möchte es allen erzählen und wiederkommen. Allein schon wegen Paul. Bis 2014, schönes Bad Gastein!

sommer.frische.kunst. in Bad Gastein / Österreich noch bis zum 23. September 2013
www.sommerfrischekunst.com

Für die Fotos bedanken wir uns bei Sandra Beyer.

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