ARTVERGNÜGEN #19 – mit Dresdener Paraphasen, türkischen Spieltrieb und afrikanischen Konflikten

Dieser Herbst wird alles andere als grau! In der Contemporary Fine Arts kämpfen chromatische Zwerge, im Me Collectors Room wird der Spieltrieb erhalten und die Organisation PEACE DIRECT ist auf der Suche nach euren Kunstwerken, um Kinder in Afrika zu helfen. Also zieht eure schönsten Gummistiefel an!

Gert & Uwe Tobias – Dresdener Paraphrasen
“Mein lieber Freund und Kupferstecher” ist ein Ausdruck höchsten Misstrauens. Mit der Fähigkeit früher das Papiergeld und die Kunst anderer fälschen zu können, geschieht das den Kupferstechern ja auch eigentlich recht. Eigentlich. Denn zwei, die das Ruder wieder rum reißen, sind die rumänischen Brüder Gert und Uwe Tobias. Sie haben zum Teil jahrhunderte alte Werke des Dresdner Kupferstichkabinetts, nein nicht abgekupfert, sondern interpretiert und unter der kuratischen Leitung Michael Herings in die Gegenwart katapultiert. Die Interpretation mittelalterlicher Spielkarten unter dem Titel Spiel mir das Lied vom Tod erfolgt auf kleinformatigen Schreibmaschinenzeichnungen, die Vampire und andere gruselige Objekte zeigen.

Eindrucksvoll aber sind vor allem die Bilder, die sich der Chinoiserie widmen, der europäischen Chinamode, die im 18. Jahrhundert weite Verbreitung fand. Europäische Künstler griffen hierbei chinesische Motive, Formen und Ornamente auf, die auch gern mal der Fantasie entsprangen. Dieser Tradition huldigend, begegnen wir auch im Werk der Tobias-Brüder bizarren Wesen, wilden Tieren und kuriosen Szenerien, die mit ihren Farben die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters fordern und sofort Geschichten im Kopf entstehen lassen, die Dank der hier ausgestellten Werke von asiatischen Zwergen im Kampf mit Mückenschnappern handeln.

Die Ausstellung ist eine Hommage an die Geschichte graphischer Zeichnungen und eine Oase für herbstgetrübte Augen, die nach Farben lechzen.

Wer Lust auf eine Führung hat, kann sich für einen Samstagsrundgang von 12–13 Uhr in der Galerie anmelden. Wer will, geht dann noch eine Etage höher in die Galerie Bastian, die nicht nur mit einer umfangreichen Cy Twombly-Ausstellung aufwartet, sondern auch mit mir – der neuen Museumsinsulanerin eures Vertrauens.

Gert & Uwe Tobias “Dresdener Paraphrasen” bis zum 10. November
Contemporary Fine Arts
Am Kupfergraben 10
Di Fr 1118 Uhr
Sa 1116 Uhr
Eintritt frei

Art & Toys – Collection Selim Varol
„Meine Sammlung, das bin ich – meine Kindheit, meine Freunde, meine Helden, meine Vorbilder, was mir Spaß macht, Gefühle die mich bewegen.” Selim Varol

Im Me Collectors Room wird zum Spielen eingeladen. Der türkischstämmige Selim Varol zeigt hier seine Sammlung von Spielfiguren, die mit fast 15 000 Objekten eine der größten Europas ist. Was einen 39-jährigen zu so einer derartigen Sammelleidenschaft bewegt, lässt sich vielleicht mit den Weichmachern in Plastik erklären, die dauerhaft ja zu einem schwachen Verstand führen. Oder mit einem Spieltrieb, den er sich bewahrt hat. Und der uns noch heute glänzende Augen macht, weil wir uns in unsere Kindheit zurückversetzt fühlen. Dieses Wahnsinnsgefühl zurückholt, wenn man endlich die Figur im Überraschungsei hatte, die noch fehlte. Die Nachmittage an denen man sich mit Hilfe von Spielfiguren ganze Welten schaffte, Dinosaurier gegen Soldaten kämpfen ließ und so vertieft war, dass man nichts mehr fürchtete als den Moment, wenn die eigene Mutter einem mal wieder das Märchen vom Sandmännchen aufbindete und man sein Spielzeug auf den nächsten Tag vertrösten musste.
Diese Ausstellung macht Spaß, egal wie alt man ist.

Art & Toys – Collection Selim Varol bis 14. Oktober
Me Collectors Room Berlin
Auguststraße 68
Di – So 12 – 18 Uhr

Peace Direct
Kinder haben im Krieg nichts zu suchen. Damit sie auch nichts zu verlieren haben, unterstützt PEACE DIRECT Projekte in Afrika um Kindersoldaten zurück in die Gesellschaft zu holen. Um das Helfen leichter zu machen, lädt der gemeinnützige Verein am 15. November 2012 zu einer Spendengala in den Kuppelsaal im Alten Postfuhramt. Dort gibt es Kunst und Designobjekte zu ersteigern und die Stimme von Joy Denalane auf die Ohren. Und vielleicht ein zweites Leben zu schenken.

PEACE DIRECT ist auf der Suche nach Künstlern, die das Projekt mit ihren Werken unterstützen und einen persönlichen Gegenständen (z.B. Designobjekte, Möbel) für die Spendengala zur Verfügung stellen wollen. Die Objekte werden an dem Abend verkauft, die Einnahmen gehen zu 100 % an die PEACE DIRECT Projekte. Also geschätzte Künstler und Sammler, beteiligt euch.

Alle Infos dazu gibt es hier.

Dieses Artvergnügen hat Saskia Wichert geschrieben. Danke!

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