ART VERGNÜGEN # KW 1-2

Ungesehenes (schnell noch) zu sehen, nie Versuchtes zu versuchen und oftmals absurde aber felsenfeste Überzeugungen noch einmal zu überdenken. Willkommen in einem weiteren Jahr voll guter Vorsätze. 'Art Vergnügen' steht euch bei, nicht alle davon bereits mit dem Silvester-Kater um's Eck zu jagen. In gewohnter 'Mit Vergnügen' - Manier bringen wir für euch ab sofort alle zwei Wochen, immer Dienstags Licht in Berlin's künstlerisches Überangebot. Wohin? Was anklicken? Wen beobachten? Und Wieso? Weil es sich mindestens einmal von fünf Versuchen so richtig lohnt, dort gewesen zu sein, dieses eine Bild gesehen, diese eine Soundinstallation erlebt, an diesem Ort gestanden zu haben. Es ist mir ein Vergnügen mich unter das schöne Kunstvolk zu mischen, mich cleverem Design, innovativer Medienkunst, knalligen Malereien, filigranen Zeichnungen und raffinierter Architektur auszusetzen. 'Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens.' (Jean Paul). In diesem Sinn: Chin-Chin. Auf in's Art Vergnügen! 


CLOUD CITIES - HAMBURGER BAHNHOF

Nun sind wir also angekommen, im apokalyptischen Jahr 2012. Was uns erwartet steht in den Wolken; passend dazu die Austellung Cloud Cities im Hamburger Bahnhof. Tomás Saraceno eröffnet eine Utopie: das Schweben in den übergroßen Luftblasen der Cloud Cities rege uns an, über alternative Lebensformen nachzudenken, über unsere Beziehungen untereinander, mit Objekten und unserer Umgebung. Beeindruckend ist Cloud Cities  – einfach nur physisch oder mental – und gemeinsam mit The Cloud (London) eindeutig im Trend. Schnell noch hin, ehe die Wolken vorbei ziehen.

Cloud Cities noch bis 15. Januar 2012.
Hamburger Bahnhof
 | Invalidenstraße 50-51 | 10557 Berlin
Di-Fr 10- 18 Uhr
Sa 11- 20 Uhr 
So 11- 18 Uhr 
Tickets 8,- EUR ermäßigt 4,- EUR

DISTINCT AMBIGUITY - HAUS AM WALDSEE

An Sci-Fi Fantasien der 80er erinnern die Entwürfe der GRAFT Architekten und verbleiben daher oftmals in der Konzeptionsphase. Auch ihre 'Wolke' wurde bei der Ausschreibung für die temporäre Kunsthalle in letzter Instanz vom konventionellen Würfel ge- bzw. erschlagen. Trotz des medienstarken Testimonials: Brad Pitt. Man ist mit dem Pitt verpartnert, hat nicht nur sein Loft entworfen sondern errichtet auch gemeinsam Unterkünfte für die Hurricane-Opfer in New Orleans. Das inflationär gebrauchte Label 'Nachhaltigkeit' haben die Kreativen übrigens in 'Happiness' umbenannt – schließlich ginge es bei Nachhaltigkeit letztlich darum. GRAFT wirft das etablierte Jargon um und disziplinäre Trennungen über den Haufen. Originell, simpel und irgendwie wahr. Ihre multidisziplinären Inspirationsquellen, eine Vielzahl an Konzepten und Modellen zeigt GRAFT nun erstmals in einer Ausstellung namens Distinct Ambiguity im Haus am Waldsee. Und anschließend ein Spaziergang um den Schlachtensee. Ein perfekter Sonntag.

Distinct Ambiguity noch bis 12.Februar
Haus am Waldsee | 
Argentinische Allee 30 | 14163 Berlin
Di - So 11 – 18 Uhr
Tickets 7 Euro, ermäßigt 5 Euro 

Freitag, 13.01. VIDEOART AT MIDNIGHT - BABYLON KINO

Am 13. Januar gastiert die 'so monatlich wie möglich' an einem Freitag stattfindende Veranstaltung 'Videoart at midnight' im BABYLON Kino. Der Name ist selbsterklärend: Videokunst um Mitternacht, kuratiert von Kunstsammler Olaf Stüber und Galerist Yvo Wessel. Gezeigt werden dieses Mal ausgewählte Arbeiten von Niklas Goldbach. In seinen Videos taucht der deutsche Künstler oft selbst in x-facher Vielzahl auf: Klone – oder 'Platzhalter' wie er sie nennt – die vollkommen isoliert emotionslos zu existieren scheinen, in einer homogenen, kapitalistischen Welt. Gruppe ohne Kollektiv. Und das alles blitzeblank, hochgradig inszeniert. Unangenehm und doch fesselnd anzusehen.

13. Januar, 24 Uhr
Babylon | Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin
Eintritt frei 

Freitag, 13.01. Sam Samore - Capitain Petzel

Am selben Abend kleiden sich auch Berlin's Galerien in neues Gewand; konkret: in die feine Vernissage-Robe. Unter anderem wird es sich lohnen bei Sam Samore in der Galerie Capitain Petzel vorbei zu schauen. Der in New York lebende Künstler galt in den 80ern als Pionier der konzeptionellen Großformat-Fotografie, arbeitet aber zuletzt auch vermehrt mit Video. Sein häufigstes Thema, so auch der dort ausgestellten Fotoserie The Dark Suspicion, ist das isolierte menschliche Dasein. Die Fotografien erinnern, wohl nicht unbeabsichtigt, an die Stills eines Films – Lynch meets Black Swan- verschmolzen mit überstilisierten Kosmetik-Werbeaufnahmen. Neben den Fotografien zeigt Samore in Berlin auch drei seiner Kurzfilme. Abgesehen von all dem ist allein schon die Galerie, ein Glaskubus aus DDR-Zeiten, definitiv eine architektonische Sehenswürdigkeit.

Capitain Petzel
Karl-Marx-Allee 45 
Di – Sa 11 – 18 Uhr 
Opening 6-8.30

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