Abendbrot mit Aida #7 – Das Ø in Kreuzberg

Ein Gebäude, dass als SS-Quartier gedient hat, die Decke aus dem Café Moskau und Leuchter aus dem ehemaligen Bauministerium der DDR – dazu Designklassiker und Elchköpfe. Was diese ziemlich wilde Mischung ergibt? Einen Laden, in dem man sich außergewöhnlich wohlfühlt und dazu auch noch Küche wie bei Muttern. Nur – no offense, Mama! – sogar noch ein klitzekleines bisschen besser. Es gibt Hühnersuppe mit Buchstabennudeln und Lammschulter, Stulle zum Frühstück, Milchreis als Nachspeise und Brotzeit für Zwischendurch.

Jetzt denkt ihr vielleicht «Warum sollte ich dafür meine Wohnung verlassen?», aber der Koch Markus Herbicht haucht den ganzen Klassikern neues Leben ein. Lauter gute Zutaten (Fleisch aus dem Umland! Gemüse von kleinen Bauern vor den Toren der Stadt!) kombiniert er altbekannt und doch immer wieder ungewöhnlich: Die Blutwurst mit Birnenkompott, die Remoulade mit Sauerampfer. Außerdem ist er lustig: Da heißen die angebotenen Tartars (Tartare? Tatatas?) «Kreuzberger Backstein», weil «hier doch am ersten Mai die Pflastersteine fliegen!», sagt er und kichert in sich hinein. So, wie Markus locker bei uns sitzt und erzählt, glaubt man kaum, dass der Saarländer nicht nur schon mit Johann Lafer gearbeitet, sondern auch schon für die thailändische Königsfamilie gekocht hat. Und jetzt eben für uns in Kreuzberg – ganz schön gut.



Geleitet wird das Restaurant von Ruzi, für die Gestaltung zuständig ist Marie, die nichts übersieht: Vom Blumengesteck über die Typo bis hin zur Farbe der Servietten ist alles durchdacht. «Köche sind auf dieser Welt einfach unersetzlich!», dachten sie sich jedoch und haben sich darum Markus geschnappt und zusammen das Konzept des Ø entwickelt: Keine bestimmte Landesküche, sondern einfach Speisen, die man kennt und immer wieder gerne isst. Heimatküche, irgendwie, aber eher Heimat als ein abstrakter Begriff. Heimat als Mutti und Vati vor dem Herd, die Hühnersuppe mit Buchstabennudeln kochen, wenn man krank ist, Bandnudeln mit Hackfleischsauce und Burger machen, wenn man Geburtstag hat oder gute Noten geschrieben.



Matze sagt, das einzige, was ihn am Ø stört, ist dass es so weit weg ist von seiner Wohnung. Und da geht’s mir ähnlich (ok, hier habt ihr wirklich gewonnen, ihr Kreuzberger!), weil sonst können wir nix dran aussetzen. Und die recht fairen Preise, wenn man die Qualität der Lebensmittel bedenkt, machen natürlich auch ziemlich glücklich. Wir wollen uns hier auf’s Sofa kuscheln und frische Pommes mit hausgemachtem Ketchup knuspern. Und mittags uns jeden Tag zwischen einem Fleisch- und einem vegetarischen Gericht entscheiden. Und nachmittags Kaffee & Kuchen wie alte Damen machen und abends noch einen Absacker trinken, bevor wir der Welt «Gute Nacht» sagen. Wenn dann noch jemand unseren Kopf kraulen würde, wäre die Welt perfekt. Aber so ist sie es eben nur fast.


Ø | Mehringdamm 80 (Ecke Kreuzbergstraße | Täglich 9 bis 1 Uhr | Reservierung unter [email protected] oder 030 77326213

Wer bis zum nächsten Abendbrot noch mehr mit Aida futtern möchte, dem sei ihr Blog Improkitchen an den Magen gelegt.

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