Warum ich es nicht einsehe, für ein Stück Brot mit Avocado 10 Euro zu zahlen

© Brenda Godinez | Unsplash

Es ist Samstagmorgen, ich sitze in einem hübschen Café und studiere die Frühstückskarte. Eggs Benedict, Granola, Avocadobrot. Ich halte kurz inne. Nicht, weil es sich um ein neuartiges Angebot handelt, sondern weil mich der Preis irritiert. Ich fange gar nicht erst an, den Betrag in DM umzurechnen. Das wäre zu absurd und lächerlich. Ok, vielleicht mache ich es doch: Fast 20 Mark für eine Stulle mit Avocado, einem Spritzer Olivenöl und einer Prise Salz und Pfeffer!? Da sagt selbst das hungrige Engelchen auf meiner rechten Schulter: "Tu's nicht!" Dabei ist es in Berlin mittlerweile gang und gäbe, das Avocado-Toast – mal mit, mal ohne pochiertem Ei – für eine beträchtliche Summe anzubieten.

Während der Preis für Avo-Toast immer höher wird, wird die Größer der Portionen teilweise immer kleiner.

Die steigenden Avocadobrot-Preise hängen wohl mit den steigenden Mietpreisen in Berlin zusammen. Das eine geht nicht ohne das andere und wenn das Wohnen teurer wird, dann halt auch das Essen. Logisch, und die globale Erwärmung ist schuld daran, dass bei uns im Büro alle Ed Sheeran hören.

Es ist ja nicht nur das Brot mit Avocado, das mit der Zeit immer mehr kostet. Auch das einfache Knuspermüsli, das heute auf den hippen Namen Granola hört und die Tasse Kaffee haben einen kleinen Preis-Boost erlebt. Kein Wunder, die Nachfrage ist schließlich da und wächst, wenn (wir) Foodies immer wieder hinrennen, um uns mit unserem Instagram-ready Frühstück zu fotografieren. Nichtsdestotrotz erwarte ich, dass ich mehr als eine mickrige Scheibe Brot mit Avocadomousse serviert bekomme, wenn ich Avocado Bread für mindestens acht Euro bestelle. Das ist nämlich die Sache: Während der Preis für Avo-Toast immer höher wird, wird die Größe der Portionen teilweise immer kleiner. Viel für viel ist ok, viel für weniger dagegen nicht.

© katja Grasinger | Unsplash

Ich habe überhaupt nichts dagegen, (viel) Geld für mein Frühstück zu zahlen. Um ehrlich zu sein, gebe ich ohnehin den Großteil meines Gehalts für Essen aus. Ich liebe es, neue Restaurants und Cafés zu entdecken und mich durch Menüs zu probieren. Was ich allerdings nicht mag: Für ein unspektakuläres Frühstück tief in die Tasche zu greifen, um am Ende genauso hungrig zu sein wie vorher. Gute Qualität und Bio-Produkte haben ihren Preis, weiß ich und verstehe ich. Aber es kann doch nicht sein, dass man zu zweit über 40 Euro für ein Frühstück bezahlt, bei dem am Ende mindestens einer nicht satt geworden ist, während das Portemonnaie ausgehungert in der Tasche liegt.

Wenn ich zum Frühstück ein ordentliches Avocadobrot will, das mich satt und glücklich macht, komme ich ja mittlerweile sogar günstiger weg, wenn ich im Biomarkt ein halbes Brot, Avocado und Eier kaufe. Vielleicht ist Selbermachen hier vorerst die Lösung meines Problems – oder einfach doch etwas anderes bestellen. Avocado kann man heutzutage ja sowieso nicht mehr mit gutem Gewissen essen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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