So nervig wie Segways und Selfie-Sticks – E-Zigaretten sollten verboten werden

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Im ständig auf neuen Pfaden wandernden Berlin konnte ich mir in den letzten Jahren eigentlich nur in drei Punkten so richtig sicher sein: Das Wetter ist immer scheiße heiß oder scheiße kalt, Hertha spielt ausschließlich 0:0 und wenn ich einen Berliner Club betrete, dann fühle ich mich am nächsten Tag wie eine vergilbte Gardine in einem Kettenraucher-Haushalt, in die eine ruppige, aber herzliche alte Dame gelangweilt ihren Glimmstängel gepafft hat.

Doch damit ist es vorbei: Die Revolution hat begonnen und sie riecht wie der nuttige Teil einer schlechten Parfümerie. Melone, Himbeere, Vanille, Cappuccino, Minze. Überall wandelnde Duftbäume. Die E-Zigarette ist kein Hype mehr. Sie hat sich festgesetzt, wie Segways und Selfie-Sticks. Dinge, über deren sinnvollen Nutzen man streiten kann. Dinge, die das Image eines Flötenkurs-Ferienlagers haben und einigen trotzdem eine schöne Zeit bereiten. Dinge, die von anderen wiederum leidenschaftlich verachtet werden. Fest steht, die E-Zigarette ist weniger schädlich als eine herkömmliche Kippe und damit eine nachvollziehbare Alternative.

Die E-Zigarette ist kein Hype mehr. Sie hat sich festgesetzt, wie Segways und Selfie-Sticks.

Allerdings ist mir in den letzten Wochen leider immer mehr aufgefallen, dass die Konsumierenden dies nur allzu gerne zur Schau stellen. Man tut der Umwelt und sich selbst schließlich etwas Gutes. Warum sollte man dies nicht mit allen anderen teilen? Der Ausstoß der qualmenden Luftverpestung ist längst zum Statussymbol geworden. Die Hackordnung des Stammes der E-Zigaretten-Zieher (kurz: Ezizis) wird durch ihre Paff-Performance bestimmt. Trumpf ist dabei, seine Mitmenschen mit einer möglichst großen Dampfwolke zu penetrieren. Wenn man mit seiner E-Zigarette Pfirsich-Mango an einer Ampel-Kreuzung steht, muss man dem Codes der Ezizis entsprechend unbedingt sicherstellen, mit möglichst hohem Zugdruck zu ziehen und dann möglichst hoch dosiert auszublasen. Es soll sich bei den wartenden Mitmenschen in der Umgebung so anfühlen, als würde man eine schmatzende Mango-Schelle mit voller Wucht ins Gesicht gehämmert bekommen. Neben dem eigentlichen Impact gilt das Prinzip Fukushima: Nur, was wirklich lange anhält und nervt, nervt eindrucksvoll.

Es soll sich bei den wartenden Mitmenschen in der Umgebung so anfühlen, als würde man eine schmatzende Mango-Schelle mit voller Wucht ins Gesicht gehämmert bekommen.

Die Ezizis sind kaum zu zähmen. Sie qualmen immer und überall. Sie begegnen einem im Einkaufszentrum, bei Konzerten, in Clubs, in Bars, sogar in Restaurants und Zügen. Umgeben vom Melonen-Duft der Ignoranz, geschützt von unklaren Hausordnungen. Sie sind Rebellen in Rollkragen, Gangster an Gehstöcken – und es ist an der Zeit, etwas gegen sie zu unternehmen! Als Nichtraucher fühle ich mich verpflichtet, alle Raucher dazu aufzurufen, fortan ausschließlich für die traditionellen Grundwerte der Kippe einzustehen: Rauchen muss maximal stinkig und eklig sein, minimal cool, möglicherweise tödlich. So war es immer und so muss es bleiben. Damit ich mich auch in Zukunft in Berliner Clubs wie die vergilbte Gardine der ruppigen, aber herzlichen alten Dame fühlen kann.

Rauchen muss maximal stinkig und eklig sein, minimal cool, möglicherweise tödlich.
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