11 Ideen für einen neuen Feiertag in Berlin

© Stefan Turtzer

Es gibt immer einen Grund zu feiern, sagt eine Binsenweisheit. Im vergangenen Jahr hieß einer dieser Gründe Reformationstag. Nicht, dass das Gros der Berliner sonderlich Lust hatte, dem ollen Luther, der bekanntlich brennender Antisemit war, die Ehre zu erweisen, sondern weil sie am 31. Oktober schlicht frei bekamen. So konnten wir ausschlafen, Freunde und Familie treffen, den Kater auskurieren, wegfahren, insofern ein Brückentag genommen wurde, oder einfach nur entspannt auf der Couch abhängen.

Im Norden Deutschlands haben die Politiker gefallen an einem weiteren Feiertag gefunden. Auf einer Sondersitzung haben die Ministerpräsidenten von Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen am 1. Februar verkündet, auch in Zukunft den Reformationstag zu zelebrieren (was ja auch Sinn macht, schließlich ist der Protestantismus hier zuhause). Nun will Berlin nachziehen, schließlich hängt die Hauptstadt bei den Feiertagen hinterher. Im Bundesdurchschnitt gibt es zehneinhalb Tage frei, in Berlin sind es gerade einmal neun.

Die FDP will sogar, dass wir einen Tag zusätzlich ranklotzen

Nun ist man sich aber nicht einig, welcher Tag in den Rang eines Feiertages gehievt werden soll: Die AFD wünscht sich wegen der Stärkung christlicher Werte den Reformationstag, was von allen anderen Parteien zurecht als Kalkül erkannt wurde. Die SPD stochert im Geschichtsbewusstsein und hat unter anderen den 27. Januar als Tag der Befreiung von Auschwitz, den 23. Mai als Tag des Grundgesetzes oder den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus im Blick. Dabei verkennt die Partei, dass schon der Tag der Deutschen Einheit keinen identitätsstiftenden Charakter hat. Zudem sollte ein Feiertag, und das impliziert das Wort, einen freudigen Anlass haben. Die FDP setzt dem noch die Krone auf: Statt über einen weiteren Feiertag nachzudenken, fordern die Liberalen, einen weiteren Tag so richtig ranzuklotzen und endlich die Berliner Wirtschaftskraft anzukurbeln. Einzig die Grünen zeigen Vernunft und fordern einen flexibel einsetzbaren Tag, um allen religiösen Gruppierungen der Hauptstadt gerecht zu werden.

Für all die verwirrten Politiker haben wir 11 Ideen zusammengetragen, welchen Tag wir künftig als Feiertag präferieren würden.

1. Tag der BER-Fertigstellung

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Halleluja, es ist vollbracht. Der BER steht, Flugzeuge landen, Passagiere steigen ein und aus. Einmal im Jahr könnte künftig der Tag der Fertigstellungen des BER bejubelt werden. Aus dem ganzen Land würden Menschen anreisen, um zu staunen, was aus ihren Steuergeldern doch Großartiges gebaut wurde: ein Jahrhundertbau mit funktionierender Entrauchungsanlage. Nice.

2. Tag des Clubs

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Berlin ist die Hauptstadt des Clubbing. Aus ganz Europa kommen junge Menschen nach Berlin, um in den coolsten Clubs der Welt wild zu feiern. Doch wer am Vortag feiern war, kann schlecht am nächsten Tag morgens aufstehen. Da hilft auch keine Kopfschmerztablette, der Tag des Clubs wäre ein großes kollektives Koman.

3. Tag des Sonnenscheins

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Warum nicht einmal das Wort "Feiertag" wörtlich nehmen und einen Tag erwählen, an dem das Feiern wirklich Spaß macht. Wie wäre es mit einem Tag des Sonnenscheins im August, am Besten ein Freitag, kurzfristig angesetzt, insofern das Wetter stimmt. Das sollte doch die Kraftreserven auffüllen und die Mitarbeiter fit für neue Herausforderungen machen.

4. Tag des Homeoffice

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Sind wir doch mal ehrlich: Homeoffice ist für viele ein Synonym für „Heute schiebe ich mal eine ruhige Kugel“. Kann ja eh kein Kollege sehen, ob du am Rechner sitzt und fleißig Excel-Tabellen erstellt oder doch im Bett liegst, am Handy hängst und gegen irgendwelche Chinesen auf deinem Handy Clash Royal zockst. Der Tag des Homeoffice würde deinen Müßiggang legalisieren.

5. Tag des Brückentages

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Wie wäre es mit einem Brückentag als Feiertag? Jedes Jahr aufs Neue erleben wir, dass donnerstags frei ist, aber am Freitag gearbeitet werden muss, dass Dienstag keiner schuften muss, wir uns aber am Montag aus dem Bett quälen müssen. Künftig könnte ein Brückentag-Feiertag verhindern, dass nur ein Teil der Belegschaft Urlaub nehmen kann, während die andere Hälfte im Ferienparadies sitzt.

6. Tag der Musik

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Am 21. Juni wird seit vielen Jahren die Fête de la Musique gefeiert. Die Idee dahinter: Lokale und renommierte Bands spielen kostenfrei und zumeist open air, um den Menschen die Freude an der Musik zu schenken. Leider geht's erst nachmittags los, weil die meisten von uns tagsüber im Büro abhängen müssen. Wäre doch cool, wenn wir uns alle 24 Stunden lang am Tag der Musik beschallen lassen könnten!

7. Tag des Schlangestehens

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In Berlin steht man gefühlt ständig irgendwo an: am Supermarkt, am Bankautomaten und im Club sowieso. Dazu kommen die besonderen Schlange: Am Ticketschalter für die Berlinale, am Schuhladen für die neusten, geilen Sneaker sowie bei Mustafa oder Curry 36 für nices Fastfood. Höchste Zeit, die vergeudeten Stunden in der Schlange wieder über einen Tag des Schlangestehens reinzuholen.

8. Tag des Fresskomas

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Berlin ist längst zur Foodie-Stadt avanciert. Doch leider bleibt im Alltag nicht genügend Zeit, all die tollen Restaurants zu besuchen. Am Tag des Fresskomas könnte das aufgeholt werden. Mit Foodie-Plänen in der Hand würden tausende Berliner durch die Straßen ziehen, um das nächste grandiose Restaurant für sich zu entdecken.

9. Tag der Wohnungsbesichtigung

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Den Berliner fällt es immer schwerer, eine neue, bezahlbare und zentral gelegene Wohnung zu finden. Zumal viele keine Zeit haben, neben dem Versuch, Familie, Job und Freizeitvergnügen unter einen Hut zu bringen, nach Wohnungen zu suchen. Abhilfe würde da der Tag der Wohnungsbesichtigung schaffen, der solange zelebriert wird, bis es der Berliner Senat schafft, das Mieten-Problem endlich einmal gewissenhaft anzugehen.

10. Tag des Internets

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Kranke Youtube-Videos schauen, verrückte Artikel über usbekische Kleingeld-Fälscher lesen und Gifs raussuchen, in dem etwa ein kleiner Junge im Wohnzimmer auf einer Ziege sitzt und sein Online-Game abfeiert. Der Tag des Internets soll die jüngste kongeniale Erfindung der Menschheit feiern – und natürlich Zeit geben, um über das Phänomen Internet kritisch nachzudenken.

11. Tag der Hauptstadt

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Ein Tag, der sich selbst erklärt und ein klares Zeichen an alle anderen Bundesländer aussendet: Wir sind die geilsten!

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