11 Gründe, warum der kalte Sommer dieses Jahr doch ziemlich toll ist

© Christian Mentzel

Es ist Sommer, aber es fühlt sich nicht so an. Den ganzen Winter über haben wir uns hoffnungsvoll an den Gedanken von warmen Sonnenstrahlen auf zart gebräunter Haut geklammert und jetzt das. Rekord-Regen, graue Wolken und Temperaturen, die nicht höher sind als Abiturienten alt. Wir können uns jetzt darüber aufregen und noch ein bisschen weiterjammern. Oder aber den Eisbecher halbvoll nennen und diese 11 Vorteile feiern, die ein unsommerlicher Sommer gegenüber seinem backofenheißen Pendant hat.

1. Es ist nicht zu warm für die Jogginghose.

Das mit Abstand Schlimmste am Sommer ist ja folgendes Szenario: man kommt nach einem langen Tag nach Hause und würde normalerweise jetzt die Jogginghose anziehen, aber es ist VIEL zu warm für jede Art von Stoff. Also ohne Hose ab aufs Sofa. Der Stoff kratzt. Die Krümel der letzten Pizza pieksen. Man schwitzt in der Kniekehle. Es ist alles sehr schlimm. Bei kühleren Temperaturen kann man einfach wie gewohnt in seine Schlubberbuxe steigen und Katzenkrallen, Soßenflecken und harte Rattanstühle können den zarten Beinen nichts mehr anhaben.

2. Dachgeschosswohnungen sind voll okay.

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Wer im Sommer sonst unter einem Backofen mit Einbauküche a.k.a. Dachgeschosswohnung leidet, findet die Temperaturen dieser Tage wahrscheinlich sehr, sehr angenehm und überlegt sogar, doch erst im Winter auszuziehen, wenn auf den Fenstern tagelang der Schnee liegt und man kein Tageslicht mehr abbekommt.

3. Berlin stinkt weniger.

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Nicht, dass Berlin jemals wirklich gut röche, aber so ist das eben in Städten und generell allen größeren Ansammlungen von Mensch und Tier. Pisse, Kotze, Bier, Schweiß, Benzin, Jil Sander Sun – all diese Düfte sind im Sommer weitaus weniger penetrant und unterträglich, solange die Temperaturen unter 25 Grad liegen. Dafür sollten wir täglich dankbar sein und im U-Bahnhof unseres Vertrauens dreimal tief durch die Nase in unser Lungen-Chakra einatmen.

4. Kein nerviges Gelaber über Bikinifiguren.

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Super, sobald es sich weniger wie Sommer anfühlt, redet auch keiner mehr von Saft-Detox, Diät, Bikinifigur, "mal wieder Sport machen" und "vor dem Urlaub fit werden". Ziemlich angenehm, denn dass für eine Bikinifigur lediglich ein Bikini notwendig ist und keine bestimmte Figur, wissen wir seit ungefähr 2008. Die einzigen Rollen, über die wir uns nämlich unterhalten wollen, sind Sommerrollen. Mit Erdnusssoße.

5. Kein Hitzschlag in Bus oder Bahn.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, um im ÖPNV ums Leben zu kommen. Zum Beispiel der berüchtigte Todesblick von Busfahrern, wenn man höflich grüßt. Oder zwischen Schulkassen zerquetscht werden oder in den fragwürdigen Düften der U8 ersticken. Aber in einem kühlen Sommer verschmachten wir wenigstens nicht bei 42 Grad und kaputter Klimaanlage in der Achselhöhle des Nebenmannes, der sich mit letzter Kraft an eine nassgeschwitzte Haltestange in der S2 krallt.

6. Balkonpflanzen überleben allein.

Ob mal jemand den Basilikum gießen kann, wenn du im Urlaub bist, fragst du? Nicht nötig. Macht der Regen, mehrmals täglich. Die Pflanzen freut es, die Wiesen sind saftig grün statt strohgelb und dir bleibt der Klingelputz bei den Nachbarn erspart. Win-win-win-Situation!

7. Den ganzen Tag im Büro zu verbingen ist voll okay.

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Na, wieder aus Versehen 16 Stunden für dein Herzprojekt gearbeitet, ohne es zu merken? Lag vermutlich daran, dass es draußen die ganze Zeit so trüb und grau war wie auf dem Bildschirm. Bei gutem Wetter zu arbeiten ist Folter, bei schlechtem Wetter zu arbeiten dagegen einfach ziemlich in Ordnung – und es wird für einen Moment sogar egal, ob man seinen Job liebt oder hasst.

8. Ein Wochenende im Bett Serien gucken auch.

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Man stelle sich das mal vor: die neue Staffel [deiner Lieblingsserie] kommt raus und du musst  tagelang Hexenschuss simulieren, damit du in Ruhe alle Folgen schauen kannst, anstatt rauszugehen und "die Sonne zu genießen", wie man so schön im Frühstücksfernsehen sagt. Bei schlechtem Wetter genießt man vor allem zwei Dinge: ein wunderbar reduziertes Sozialleben und die Freiheit, von morgens bis abends das Bett nicht mehr zu verlassen ohne ständige Angst, etwas anderes draußen zu verpassen als den nächsten Hagelsturm.

9. Kein Deckendrama nachts.

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Eine typische Nacht in einem heißen Sommer sieht so aus: Zu warm. Decke weg. Zu kalt. Decke wieder drüber. Zu warm. Kopfkissen ins Gefrierfach. Kopfkissen riecht nach Gefrierfach. Kopfkissen aus dem Fenster werfen. Ohne Kopfkissen blöd. Pipi. Wecker klingelt. In einem herbstlichen Sommer wie diesem ist die Nachtruhe hingegen stets gesichert und das wissen ausnahmsweise auch solche Menschen zu schätzen, die noch keine Kinder haben.

10. Die Sonnencreme wird eh nur alt.

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Hat schon mal jemand jemals eine Packung Sonnencreme während eines Sommers aufgebraucht, der keinen Beruf im Freien verübt oder unter Sonnenallergie leidet? Vermutlich nicht. Irgendeine Tube ranzig-weißer Paste findet man jedes Jahr im April wieder, überlegt, sie aufzubrauchen, googelt kurz, entschließt sich dann dagegen und kauft neu. Das Spiel beginnt von vorn – außer eben, der Sommer ist von Anfang an so kühl, dass man an Sonnencreme höchstens dann denkt, wenn mal kurz wirklich die Sonne scheint – aber das ist dann nach 30 Sekunden auch vorbei, zum Glück.

11. Eis geht sowieso immer.

Wenn das ein Trick der Speiseeisindustrie ist, dann ist es immerhin ein sehr guter: Eis kann man immer essen. Tags, nachts, vor dem Essen, nach dem Essen, im Frühling, im Winter und in einem August, der sich anfühlt wie Oktober, gleich doppelt: aus Trotz und aus Wehmut. Und weil es nichts gibt, was nicht durch eine Kugel Schokoladeneis ein wenig erträglicher würde – zum Beispiel eben diese seltsame Jahreszeit gerade.

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