Für'n Arsch: Kim Kardashians Versuch, das Internet lahm zu legen

Ich würde gern Kim Kardashian ignorieren. Diese Frau, die ihre Daseinsberechtigung als Ehefrau von Kanye West und in der Zurschaustellung ihres nackten Körpers gefunden hat. Kim Kardashian ist aus irgendeinem Grund erfolgreich. Oder zumindest versucht sie, wichtiger zu sein, als sie wirklich ist. Ihr neuster "Coup": Nackt mit Sektglas auf dem Po auf dem Cover des Paper Magazins, mit dem sie das Internet lahm legen wollte.

Nun negiert die Form der Ankündigung ja eigentlich schon jeden Überraschungseffekt und damit den Erfolg ihres Versuches. Das ist ein bisschen so, wie wenn die Maus "Brain" aus der Zeichentrickserie "Pinky & Brain" in jeder Folge ankündigt, die Weltherrschaft an sich zu reißen, um jedes Mal kläglich zu scheitern. Vielleicht denkt Kim Kardashian jetzt wirklich, das Internet vernichtet zu haben. Der Applaus der Internetgemeinschaft zu ihrem "gewagten" Schritt blieb jedenfalls bisher aus. Die macht sich nämlich lieber mit Pferde-Memes über sie lustig. Eventuell war aber auch das ihr Anliegen? Man weiß es nicht.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist dies: Kim Kardashians scheint nicht allzu lange über ihre Fotowahl nachgedacht zu haben, ansonsten hätte sie vielleicht weiter als bis zu dem Bild recherchiert, das als Vorlage für das Cover diente. Der Fotograf Jean-Paul Goude fotografierte das Model Carolina Burmont 1976 in der gleichen Pose; das Bild erschien später in dem Buch "Jungle Fever". Schon damals eine Anspielung auf die Objektifizierung von Frauen. Noch wichtiger ist allerdings, worauf das Original anspielt. Nämlich auf das Schicksal von Saartjie Baartman, einer Südafrikanerin, die 1810 als 21-Jährige nach Paris verschleppt und dort aufgrund ihres abnormal großen Gesäßes, auch Fettsteiß genannt, in einer Freak-Show ausgestellt wurde, wie die Autorin Blue Telusma in ihrem Artikel hinweist.

Sawtche_(_dite_Sarah_Saartjie_Baartman),_étudiée_comme_Femme_de_race_Bôchismann,_Histoire_Naturelle_des_Mammifères,_tome_II,_Cuvier,_Werner,_de_LasteyrieGrafische Darstelling von Saarte Bartmann, © Wikipedia

Ich muss hier wohl nicht weiter über die menschenunwürdigen Auswüchse des ethnozentrischen, europäischen Kolonialismus' sprechen. Auch könnte ich noch lange über die Objektifizierung der Frau und Kim Kardashians Beitrag dazu schreiben. Es sei hier nur auf die bittere Ironie von Kim Kardashians Foto hingewiesen – wie sie sich (immer wieder) freiwillig in den Käfig begibt und sich zur Ausstellungsobjekt mit Abnormitäten macht – im Internet zur Anschauung für jeden. Vielleicht ist das ja die besondere Errungenschaft des digitalen Zeitalters, dass man sich nicht mehr einsperren lassen muss, sondern freiwillig ins Gefängnis gehen darf. Vielleicht hat Kardashian aber auch das Internet mit ihrer Doofheit und Ignoranz der afrikanischen Geschichte lahm gelegt.

Sags deinen Freunden: