MODEVERGNÜGEN #46 – Strumpfhosenvergnügen – und wie ich die teuerste Strumpfhose meines Lebens testete

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An den Tag, an dem ich aufhörte Hosen zu tragen erinnere ich mich nicht mehr genau, trotzdem waren sie auf ein Mal auf nimmer wiedersehen in den Untiefen meines Kleiderschranks verbannt – und das bis heute. Jede Jeans in allen Waschungen von schwarz bis himmelblau – damals müssten es noch die sexy Hüftröhren von Miss Sixty und Freesoul gewesen sein, die derzeit meinen Po zu einer knackigen Kugel formten und die mit ihrem gnädigen Stretchanteil eins, zwei, drei Kilo-Schwankungen verziehen. Ganz verschwanden die Hosen natürlich nicht aus meinem Leben – sie wurden von nun an nur um einige Etagen kürzer getragen – ein Powerduo erblickte meine Beinwelt: Shorts oder Rock plus (blickdichte) schwarze Strumpfhose wurden zu meiner täglichen Stylebegleitung.

Zu jedem Anlass gibt es die passende Strumpfhosen-Short-oder Rockkombination. Mit einer höher geschnittene Ledershorts oder einem Taillen-Lederrock zusammen mit einer hochgeknöpften Seidenbluse zu schwarzen Strumpfhosen kann man sich überall sehen lassen. Uni, Shopping, Date, Club, Oma besuchen… Es sorgt mich trotzdem ein Bisschen, dass diese Kombination sich so in meinen Kleiderschrank eingebrannt hat – ist die vermeintlich monotone Kleidungsweise jetzt unkreativ oder habe ich wie man so schön sagt „meinen Stil gefunden“? Der Trend hält immerhin mittlerweile 3 Jahre bei mir an und ich verliere nicht die Lust an der Dreierkombi.

Mit der Zeit entwickelte ich mich dadurch zum absoluten Strumpfhosenpro. Je nach Wetterlage wird von 20-100 DEN alles getragen. 20 DEN sind sommerlich und 100 DEN plus Thermo ist tiefer Berliner Winter. Jeder Schuh ist damit tragbar, außer vielleicht Peeptoes und offene Sandalen. Was die Strumpfhose nicht darf ist schimmern – schlimmes, billiges Nono. Sollte die Neue dann doch einen Hauch Glanz aufweisen hilft der Trick sie einmal auf Links zu drehen – dann blitzt zwar der Zwickel (für die jüngeren Leserinnen, das ist der eingenähte Part in der Mitte) hervor, aber im Zweifel muss das so sein. Nur matt ist akzeptabel – die Falke pure Matt 50 DEN (auch die anderen DEN) ist daher meine Favoritin. Sie hat die perfekte Struktur, fühlt sich toll seidig auf der Haut an und ist auch nach 5 Mal waschen und tragen noch wie neu und ohne Knötchen – das rechtfertigt dann auch den Preis von ca. 16 Euro.

Den findigen Machern der VOGUE Fashion Night Out haben wir es zu verdanken, dass sich Shopping mit Party und Alkohol einen Abend lang wunderbar verbinden lässt. Nach dem vierten Cocktail und einem zwanzigminütigen Verkaufsgespräch im nächtlichen Peek & Cloppenburg schien es mir dann auch ganz einleuchtend, mir das schwarze deluxe Beinkleid von ITEM m6 mit „medi compression“ aus der traditionellen chinesischen Medizin zu kaufen, zu einem Schnäppchenpreis von ca. 60 Euro (es handelt sich wohlbemerkt um eine einzige Strumpfhose).

Die freundliche Verkäuferin, die gütig über mein hin und her schwappendes Glas hinwegsah, demonstrierte mir in einer souveränen Trockenübung das aufwändige Anziehen des Rolls Royce der Strumpfhosenwelt und versprach Qualität, Komfort, Energie und leichte, schlanke Beine und obendrauf nie wieder Schweißfüße. Der Name der Marke leitet sich von “M6″, dem Akupunkturpunkt, der den Energiefluss im Körper über das Blut und die Muskeln reguliert, ab. Der sitzt unauffällig zweifingerbreit auf der Innenseite des Beines oberhalb des Knöchels und diesen Punkt sollen die Strümpfe von ITEM m6 beim Tragen stimulieren. Sogleich verbessert sich die Stoffversorgung des ganzen Körpers und sogar die Konzentrationsfähigkeit soll angeregt werden. Ich schnappte mir das Wunderhöschen mit Popo-Push-up-Effekt und Wadenminimizer, das auch noch schlau machen soll und wage mich am nächsten Tag aufgeregt an den Selbstversuch. Die Anfängerin sollte schon ein paar Minuten zum Anziehen mitbringen – allerdings konnte auch das Zuppeln meiner langen ungeduldigen Finger und Nägel der festen Struktur des Stoffes nichts anhaben – Pluspunkt. So fühlt sich das Material dann auch auf der Haut an. Ein Blick in den Spiegel sagt – joa, Po und Beine haben sich hier und da minimal zum Guten modelliert. Man merkt tatsächlich auch nach langem Laufen und Stehen stützt und pusht die Hose wunderbar – trotzdem geht bequem anders. Ich spüre nur nichts von irgendwelchen Energieflüssen im Körper und nach einem Tag in meinen Boots kann leider auch nicht mehr die Rede von Geruchsfreiheit sein. Es ist eben doch nur eine Strumpfhose. Minuspunkte bekommt das Stöffchen für den Schimmerfilm. Gut möglich, dass die Strumpfhose am Ende nicht richtig bei mir saß, denn sitzen die Meridian-Tights nicht am richtigen Fleck, kann sich der belebende Effekt nicht entfalten. Am Größten ist der Druck auf die Fessel und nimmt nach einem fest definierten Verlauf zum Körper hin ab. Darum werden hier die Größen auch nach Konfektionsgröße und Oberschenkelumfang bestimmt.

Fazit: Kann man mal machen, weil der Stützeffekt schon ziemlich greift und wirklich hilfreich ist an Tagen, an denen man 12 Stunden durchstehen muss – ansonsten bringt es auch die gute alte Falke und sogar das ein oder andere Drogeriestrümpfchen.

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